Irritation und Verwirrung

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Umsteigen in voller Fahrt

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Ein britischer Designer will das Zugfahren revolutionieren.
Die Idee: Bahnhöfe abschaffen. Sein futuristisches Konzept stimmt Tram und Zug so aufeinander ab, dass die Passagiere fahrend umsteigen können.

Von zu Hause zur Tram-Station vor dem Pariser Eiffelturm – und das ohne Zwischenhalt am Bahnhof. Wenn es nach Paul Priestman geht, könnte dies bald möglich werden. Denn laut einem Bericht von CNN schlägt der Chef der britischen Designfirma Priestmangoode in seinem neuesten Konzept vor, Bahnhöfe abzuschaffen und den Umstieg vom Tram in den Zug im Fahren zu ermöglichen.

Das Ganze funktioniert so: Reisende steigen in ihrer Strasse in ein Tram ein. Doch statt dass sie am Bahnhof aussteigen und auf den Anschluss des Schnellzugs warten, dockt das fahrende Tram an den fahrenden Zug an und ermöglicht so den Fahrzeugwechsel ohne Halt.

Kein Grund zur Eile

Bei Priestmans Vorschlag handelt es sich um ein grosses integriertes Transportsystem. «Ich stelle mir ein stadtweites Tramnetzwerk vor, das mit dem Schnellzug-System verbunden ist», erklärt er. «Das Tram beschleunigt und der Zug verlangsamt das Tempo soweit, dass beide bei gleichem Tempo aneinander andocken können.»

Wer sich das Ganze gefährlich und unkomfortabel vorstellt, liegt falsch. «Die Türen an beiden Fahrzeugen sind gross und aufeinander abgestimmt», erklärt Priestmann. Auch Grund zur Eile gibt es nicht. Denn die Fahrzeuge bleiben etwa gleichlang aneinander angedockt wie ein Zug, der heute am Bahnhof anhält. Erst wenn alle Passagiere umgestiegen sind, schliessen die Türen und Zug und Tram lösen sich voneinander. Das Tram fährt zurück in die Stadt und der Zug setzt die Reise fort – ohne jemals gestoppt zu haben.

Priestman weiss um die schwierige Umsetzung seiner Idee. Doch dies nimmt ihm seine Motivation nicht. «Mein Vorschlag ist sehr futuristisch», gibt er zu. «Doch es ist Zeit, unsere Art zu reisen zu überdenken.» (wid)

Quelle: Tagesanzeiger, 11.2011


Die Montagskolumne #111 We apologize for any inconvenience

Urlaub von Anfang an

Wer in Deutschland Bahn fahren will, sollte Englisch verstehen, muß Nerven haben und sollte zuerst EDV studieren!

Es fängt schon beim Fahrkartenkauf an, das geht am billigsten am Automaten. Denn Menschen will man bei der Bahn, wenn möglich, gänzlich abschaffen um attraktiver für den künftigen Börsengang zu sein und es bedeutet weniger Widerstand im volkseigenen Betrieb. Nachdem ich gebückt, nahe dem Nervenzusammenbruch mit meiner schwangeren, zickigen Freundin, in einer nach beissender Pisse stinkenden U-Bahnstation nach 138 sinnlosen Klicks feststellen muß, daß man NICHT eine Bahnfahrkarte für zwei erwachsene Bahncardbesitzer am Automaten erwerben kann, fahren wir schwarz zum Bahnhof.

Auch die Automaten dort sind alle besetzt, die Schalterhalle, jüngst modernisiert, ist hoffnungslos überfüllt und unterpersonalisiert. Eine INFORMATION – wie überall auf der Welt – gibt es nicht, nur einen ‚MEETINGPOINT‘, der mit Recht so heisst, denn es drängen sich Hunderte davor. Ein älterer Bahnbediensteter, über den ich mich schon seit Jahr und Tag aufrege, steht in der Halle und gibt Ratschläge. Uns läuft die Zeit weg! Es bleibt weder welche, einen dieser überteuerten Cappuccinos zu trinken, um rauchen zu dürfen noch ein Häagen-Dazs für 2.50 die Kugel zu essen, die ‚Gift voucher‘ bei ‚TieRack‘ von Weihnachten 2009 endlich einzutauschen, müssen wir ein weiteres Mal verschieben. Es macht sich Unmut breit!

Wir entschließen uns, den überfüllten ICE 685 ‚Stendal‘ ohne gültigen Fahrschein zu besteigen. Ein Schaffner mit der Aufschrift ‚Eichhorn‘ müht sich bei auf den Gängen Stehenden, gute Laune zu nähren und empfiehlt: ‚Enger zusammen rücken“. Wir ergattern mit List Sitzplätze im Kinderabteil. Als der Schaffner zu uns kommt, lasse ich durchblicken, daß wir guter Hoffnung sind und bitte um eine Fahrkarte ohne Bordgebühr. Doch sein deutsches Eichhornherz lässt sich nicht erweichen und er knöpft uns für EINE Fahrkarte, ZWEI Personen, EINE Rechnung, PRO Person 2.50€ MENSCHENGEBÜHR ab und grinst uns  -unwissend darüber, daß er sich und seinesgleichen selbst zur Schlachtbank führt – dümmlich ins Gesicht.

Wir machen uns keine Umstände, essen unsere selbst gemachten Brote, trinken unser mitgebrachtes Leitungswasser und denken Stuttgart 21.-)

Djdeutschland


Wiederaufbereitung

Das war erst der Anfang

Sowohl die Landesregierung in Baden-Württemberg, wie auch die Bundesregierung sind entschlossen, ihre Klientelpolitik durchzuziehen; diskutiert wird nicht. „Ein Herbst voller Entscheidungen.“ Doch diese Sicht ist fatal und hat in Stuttgart zur Eskalation geführt. Die ungleiche Wahrnehmung der politischen Klasse und ihrem Volk, ist bemerkenswert und erinnert an ’89. Und dabei kann man die Linke nicht ausnehmen, die uns einen Wullf aufgebunden hat!

Mich erinnern die Bilder an vergangene Schlachten in Wackersdorf und Brokdorf, die mich als damals jungem Menschen ob ihrer staatlichen Gewalt und Ungerechtigkeit, mit ihrer Strategie der Kriminalisierung, beinahe in den politischen Untergrund geführt hätten. Ich habe damals nicht, wie ein Fischer, Steine geworfen – Gewalt ist kein politisches Mittel – aber Polizisten unterm Regenbogen getroffen, die noch jünger waren als ich, mit denen mich die Ablehnung der Million Jahre strahlenden Fehleinschätzung einte. Auch die Sympathie für Oberpfälzer Sägefische. Vergesst das nie!

Unglaublich, daß man die Zeit bis heute nicht zu nutzen wusste, auf transparentem Entscheidungswege, weg von Oel und Kohle, bessere Verkehrssysteme, bessere Netze, effizientere Leitungen und Antriebe zubauen!  Und jetzt so weitermachen?

Meine Kinder sind größer geworden; sie haben schon diverse Male hinter meinem Rücken gegen Bildungsabbau und Atomkraft protestiert, sogar Bahnhofsvorplätze besetzt. Wir hören Johnny Cash in der dritten Generation! Wir haben einen völlig gewaltfreien, umweltgerechten Plan zu Abwehr von Luftüberwachung bei Demonstrationen entwickelt!

Ich und meinesgleichen, sind jetzt die Mehrheit in diesem Land! Die Generation der Erben, die nicht unbedingt so glücklich sind mit ihrem Erbe. Aber wir sind im Geiste von ‚Nie wieder Krieg‘ und einem gesunderen Umgang mit sich und der Natur, für eine lebenswerte, gerechte und friedliche Zukunft unserer Kinder, sozialisiert worden.

Natürlich darf man sich nicht immer dem Druck der Straße beugen, natürlich ist Volksentscheid nicht immer wehrhafte Demokratie. Es bedarf der üblichen Entscheidungsprozesse, sicher auch durch die Parteien. Den Grünen in Hamburg hätte es nicht schlecht zu Gesicht gestanden, durch vorgezogene Neuwahlen dem Protest gegen das Umschmeißen des Atomausstiegs und Moorburg Ausdruck zu verleihen. Das Eigentor in Stuttgart und die Kaltschnäuzigkeit schwarzgelben Regierens, könnten uns schon in der nächsten Legislaturperiode eine grüne Bundeskanzlerin Künast bescheren. Ist man dort bereit, aus vergangenen Fehlern zu lernen, die Bundeswehr zu entwaffnen und zukunftsträchtiger Technologie und daraus resultierendem wirtschaftlichem Fortschritt zum Durchbruch zu verhelfen, könnte dieses Land, mit Perspektive Europa, sehr schnell anders aussehen. 

Djdeutschland