Irritation und Verwirrung

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Divide et impera

Wenn man sich staatskritisch äußert, ist man sehr schnell entweder in einer links- oder einer rechtsextremen Ecke. Das ist ein alter Hut, es handelt sich um einen einfachen Mechanismus, wie Machterhaltung funktioniert, der (nachweislich) zurück auf die Antike geht: divide et impera (teile und herrsche).

Linke wie Rechte sollten sich deshalb darüber im Klaren werden (wenn sie es nicht schon sind), auf was es Ihnen eigentlich ankommt, was ihnen prinzipiell wichtig ist und ob sie diese Machterhaltungsmechanismen unterstützen wollen. Meines Erachtens gibt es zwei grundsätzliche Herangehensweisen. Entweder man identifiziert als Hauptproblem den exorbitanten Reichtum und dessen Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse (eigentlich eine originär linke Auffassung, Stichwort Akkumulation des Kapitals) oder man sieht dieses Problem nicht. Wer dieses Problem nicht sieht: geschenkt, den spreche ich hier nicht an.

Alle anderen könnten überlegen, ob sie sich von ihrem Primärziel möglicherweise nicht ziemlich weit entfernen, wenn sie nicht etwas „gnädiger“ mit der „Gegenseite“ umgehen. Ist es für linke Intellektuelle etwa herabwürdigend, wenn sie die Sorgen und Ängste von Bürgern etwas ernster nehmen, die sich mangels nicht vorhandener (oder lächerlich vereinfachter „Faktencheck“-) Argumentationen eigene Erklärungsmuster suchen?

Vielleicht müsste man berücksichtigen, dass nicht nur ein wenig geschulter politisch linker Horizont (warum muss das überhaupt ein linker sein?) vorhanden sein könnte, sondern viele Menschen schlicht und einfach keine Zeit haben, sich intensiv mit Politikwissenschaft auseinander zu setzen. Oder anders herum: Müssen Rechte andere Menschen mit Vorstellungen, die sie nicht nachvollziehen können, als links- oder grünversifft bezeichnen?

Wer da mitspielt, spielt in meinen Augen das Spiel der extrem Reichen, denen es einfach nur um Machterhalt geht, alles andere ist von niederer Priorität (das liegt einfach in der Natur der Sache, wer von ihnen da nicht mitspielt, wird sich wohl nicht lange „oben“ halten). Ihnen ist es völig egal, welche Anschauungen wir haben, diese werden vom ihnen einfach nur für ihre Interessen benutzt.

Wenn man dieses Prinzip einmal verstanden hat, dann relativiert sich vieles. Entschuldigung, wenn das wie eine Anmaßung klingt. Es ist keinesfalls als „meine absolute Wahrheit“ zu verstehen. Aber es ist das, wie ich die Welt als wahrscheinlichstes Szenario interpretiere. Es kann natürlich auch alles ganz anders sein, z.B. Gustav Schwab will nur das Beste für uns alle (sorry, kleiner Gag).

P.S: ich habe hier Rings und Lechts absichtlich vereinfacht und polarisiert dargestellt (was es in der Realität natürlich nicht ist), um zu verdeutlichen, da es in meinen Augen nicht Kern ist, auf welcher Seite man steht. Entscheidend ist in meinen Augen, wie man sich in einer entscheidenden Situation verhält, aber das ist ein ganz anderes Thema.)

Falk Atmanspacher