Irritation und Verwirrung

Beiträge mit Schlagwort “Paris

Kein schöner Land

IMG_1458Dieses mal war Weihnachten besonders wichtig! Nirgendwo singt man Stille Nacht – heilige Nacht schöner als in St. Pauli – schwer, schleppend. Die Kirche war diesmal brechend voll. Die `Buschmänner`, die die rassistischen Konsumenten anlocken, sind freundlich und gesprächsbereit. Sie haben sich verzehnfacht. Die, die guten Willens sind, scheinen sich hier zu sammeln. Je mehr Ghetto, desto weniger hirnlose Investoren. Das von mir Propagierte scheint sich zu bewahrheiten: die Revolution geht von St. Pauli aus!

Gegenüber in Dock 11 werden Kriegsschiffe gewartet, oder Luxusjachten –  von Milliarden schweren Waffen- Öl- Schrottschiebern. Geheim eingerüstet und eingeplant. Keiner soll es sehen, keiner soll es wissen. Merken!

Cruiser, um jede Menge Leute trockenen Fußes sicher reinzubringen, sind genug da. Geld, Feuerwerk und der dazugehörige Müll bis zum Abwinken vorhanden.

Mein Schwiegervater sagt, ich solle wegen der Kinder hier wegziehen, ich meine: Geld ist out, wenn die Massenpsychose ausbricht, bin ich hier sicher. Sitze ich auf der Straße, serviert man mir hier kostenlos Kaffee und Kuchen, ich bekomme jeden Tag handgeschriebene Briefe von hier, selbst die`Angler` umarmen mich zum Trost!

Jetzt fällt Schnee, es ist saukalt, der Sylvester-Grünkohl kam gerade richtig. Lionels diesjährige Plattenlieferung vom Feinsten! Noch einmal den Akku aufladen für das nächste neue lange Jahr.

Der nächste Sommer kommt bestimmt, wir werden da sein.

Djdeutschland


Tobias Riegel spricht mir aus dem Herzen…

Nicht in Charlies Namen

von Tobias Riegel
(erschienen am 17.01. 2015 im Feuilleton der Tageszeitung Neues Deutschland)

Wie das Andenken der Opfer von Paris vereinnahmt wird

Die Ermordeten von Paris sind unschuldig. An ihrem sinnlosen Tod durch ein schreckliches Verbrechen sowieso. Aber auch an der Welle des Pathos, der Heuchelei und der dreisten Vereinnahmung ihres Andenkens.

Die versammelte Spiegel-Gruppe ist angeblich »Charlie«, Google trägt Trauerflor, die »FAZ« schwafelt von »Heldentot«, die Pariser Menge applaudiert den Scharfschützen, der Anti-Terror-Spezialist Petro Poroschenko wird ebenso untergehakt wie der Pressefreiheitskämpfer Viktor Orban. »Europa rückt zusammen« – und definiert seine Werte feierlich neu: in Form von strengeren »Terror«-Gesetzen. Und unsere großen Medien haben mit den scheußlichen Attentaten und dem »Unwort des Jahres« passende Instrumente zur Diffamierung auch linker Kritik an die Hand bekommen. Sie können (und werden) nun Islamisten, Links- und Rechtsextreme »vereint durch ihren Hass auf die Lügenpresse« sehen. Ist ja alles irgendwie das Gleiche. (…weiterlesen auf Neues Deutschland.)


GIRL MONSTER #15: WE FOUND HER ON THE LOST HIGHWAY

PERFORMANCE

Nach langer Pause meldet sich die feministische Plattform GIRL MONSTER wieder zurück. Diese Ausgabe reflektiert den Prozess des sich Verlierens, um Neues zu finden. So hat die Künstlerin Nevin Aladag mit Anwohnerinnen und Anwohnern der Großen Bergstraße über die Große Bergstraße gesprochen und aus den Begegnungen ein Hör-Porträt der Straße collagiert. In der performativen Arbeit „Hochparterre Altona“ bekommt der vielstimmige Zusammenschnitt ein einziges Gesicht: das einer Schauspielerin, die zum Playback den Mund bewegt und die unsichtbaren Sprechenden in punktgenauer darstellerischer Pantomime skizziert. Nevin Aladags Arbeit ist ein gleichzeitig direktes wie künstlerisch verformtes Abbild der Realität, eine Milieustudie, die ihren ‚Objekten’ – den Anwohnerinnen und Anwohnern – ihre eigenen Stimmen lässt, sie dabei aber nicht plump ausstellt. Eingeladen ist auch Mathilde Ter Heijne, bildende Künstlerin und Matriachatsforscherin, sowie die britische Intellektuelle Nina Power, die in ihrer Lecture auf die politischen Dimensionen des Themas eingeht. Musikalisch wird der Abend von Maral Salmassi abgerundet, die ein Bollywood-Set vorbereitet hat.

VON UND MIT Chicks on Speed HOST Melissa Logan

LECTURE Nina Power, (London) & Mathilde ter Heijne (Berlin) terheijne

PER FORMANCE Rita Rodríguez (Barcelona), Marie Rotkopf (Internationale Surplace, Hamburg/Paris) , Onur Burgaz (HH/Istanbul)

MUSIK Maral Salmassi

VIDEO Nevin Aladag (and Mathilde ter Heijne, tbc)

GIRL MONSTER ist eine Produktion von Chicks on Speed und Kampnagel

FR24.02. 21:00 KMH8 € – 12 € hier Karten kaufen

[event] [suggest]


On the run

Der Panther Im Jardin des Plantes, Paris. Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille – und hört im Herzen auf zu sein. Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris


Die Montagskolumne #71 BERLIN

BERLIN BERLIN,

ICK LIEBE DIR.

DU STINKST MAL DA,

DU STINKST MAL HIER.

DIE GANZE WELT LIEGT DIR ZU

FÜßEN,

NY?

PARIS?

BERLIN LÄSST GRÜßEN!

KID


Carola Deye und Marie Rotkopf

ENTZUENDUNG

feuer_fit

Eroeffnung: Freitag 06. Maerz 2009, 20:00

Lesung / Konzert 21:00

Ausstellung 07.15. Maerz 2009
Oeffnungszeiten nach Vereinbarung

Herzliche Einladung von Julia Pfeiffer und Roseline Rannoch

ENTZUENDUNG

ist Aufeinandertreffen
Reibung zwischen zwei Koerpern
(das ist aber Sex, sagt Carola Deye)
zwei Klassen
(ein Bauernhof in Niedersachsen und eine Passage in Paris).

Carola Deye setzt sich mit laendlichen,
volkstuemlichen Motiven auseinander.
Holz ist fuer sie Ausdruck einer provinziellen,
baeuerlichen Dumpfheit,
die gleichzeitig zu einer malerischen visuellen Form fuehrt
und zur kontemplativen Betrachtung anregt.

Fuer Marie Rotkopf ist es ein Material, das gut brennt.
Sie sieht eine Art von Klassenkampf hinter solchen Vorstellungen.
Die Leinwand dient als Kulisse, der Vorhang wird gehoben,
und dahinter verbirgt sich das Gleiche in Gruen.

So wie die Bilder und die Texte von Marie Rotkopf
stellt er das Absurde oder die fiese Banalisierung und Nivellierung
von politischen Bedeutungen in der Gesellschaft dar.
Der Vorhang hebt sich ueber einer Taeuschung,
die das Konzept der ewigen Wiederkehr der Geschichte bestaetigt.

Die Beschaeftigung Carola Deyes mit Natur,
Provinz, mit dem Gruen und Braun
sind fuer Marie Rotkopf bildhafte Begriffe,
Klischees als Wahrheiten, eine Attitude,
um die eigene soziale Herkunft zu verschleiern
und damit zu transzendieren.

Sie schaut mit einem soziologischen und politischen Auge
(dem dritten, nicht dem von Bataille oder dem des Zyklopen).
Die Bildersymbolik verraet unsere Referenzen.
Das Auge betrachtet sie als Vakuum.
Es bleibt die Essenz dieser Begegnung:

Alles ist politisch
solange es Benzin gibt.