Irritation und Verwirrung

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Die Montagskolumne #192 Der neue Faschismus

Rudi&Ulrike,quer1

„Der neue Faschismus wird nicht kommen und sagen „ich bin der neue Faschismus“, er wird sich als Antifaschismus ausgeben.“

Als in St. Pauli ein junger Mann mit einem Skrewdriver T-shirt die Kneipe Skorbut betritt, kommt es zum Streit mit anderen Gästen. Als er am Boden liegt, treten Angreifer auf ihn ein, der 27-Jährige wird mit schwersten Kopfverletzungen in eine Klinik gebracht. Ein Nazi?

Der Nazi ist der Inbegriff des zu Vernichtenden, man ist bereit, seine Gesundheit zu riskieren und stolz darauf, gegen die Wiederkehr der braunen Vergangenheit zu kämpfen. Es kommen schnell Hunderttausend zusammen, die glauben, die Nazis seien die mit Skrewdriver-T-shirt oder mit Glatze. In den sozialen Netzwerken meldet und denunziert jeder jeden als Nazi, Sarrazin wird niedergebrüllt, niedergeschrieben, diffamiert und ungelesen meistverkauft!

Auch die Vokabel Antisemitismus wird inflationär gebraucht, verkommt zur Phrase, ist zu einem Kampfbegriff geworden. Das Wiesenthal-Zentrum bezeichnet Jakob Augstein als Antisemiten, weil er Gaza zurecht als „Ort aus der Endzeit des Menschlichen“ bezeichnet, als Lager und Gefängnis, in dem Israel seine Gegner ausbrütet. Auch Günter Grass, der sagte was gesagt werden muss, hat sich mit SS-Vergangenheit, als solcher identifiziert.

Niemand hat etwas dagegen, wenn man Nazis überwacht, bespitzelt, ihnen die Einreise verweigert, Daten über sie sammelt, viele wollen sie verbieten! Otto Schily, ehemals Referendar, dann Anwalt Horst Mahlers, stand als Innenminister im 1.NPD-Verbotsverfahren Horst Mahler gegenüber! Mahler sitzt heute – und das kann man in Deutschland – 12 Jahre ohne Bewährung wegen der Leugnung des Holocaust!

Selbst die Piraten haben sich den Schneid abkaufen lassen, endlich etwas zu legalisieren und dem Boden zu entziehen, was nicht zu leugnen ist! Der Kampfbegriff ist zementiert und jede Existenz kann nicht nur in diesem Land, damit vernichtet werden.

Unterscheiden sich Antifaschisten von denen, die sie zu bekämpfen vorgeben? Oder schlagen sie gehirngewaschen in ihrer verbohrten Dummheit auch einen Sid Vicious oder Charlie Chaplin tot?

Djdeutschland


Was gesagt werden muss

„Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird.
Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er mißachtet wird; das Verdikt „Antisemitismus“ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind, Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert, ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert werden soll, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muß.

Warum aber schwieg ich bislang? Weil ich meinte, meine Herkunft, die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muß, was schon morgen zu spät sein könnte; auch weil wir – als Deutsche belastet genug – Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr, weil ich der Heuchelei des Westens überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen, es mögen sich viele vom Schweigen befreien, den Verursacher der erkennbaren Gefahr zum Verzicht auf Gewalt auffordern und gleichfalls darauf bestehen, daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern, mehr noch, allen Menschen, die in dieser vom Wahn okkupierten Region dicht bei dicht verfeindet leben und letztlich auch uns zu helfen.“

„Was gesagt werden muss“ Günter Grass