Irritation und Verwirrung

Beiträge mit Schlagwort “Esso Häuser

BRING BACK SANKT PAULI

*BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR CLUB AND YOUR VIERTEL!*

*FANS UND EIN GANZES VIERTEL SEHEN ROT UND SCHLAGEN GEMEINSAM ZURÜCK!*

kojima

Nicht nur beim FC Sankt Pauli

rumort es gerade gewaltig in der Fanszene
über eine zunehmende Kommerzialisierung – vielmehr ist auch ein ganzes
Viertel von einer zunehmenden Ökonomisierung betroffen. Zählte der
Stadtteil Sankt Pauli noch vor einigen Jahren zu den ärmsten Stadtteilen
in Deutschland, ist er für viele Menschen tatsächlich unbezahlbar
geworden. Es wird Zeit diesen Entwicklungen gemeinsam entschieden
entgegenzutreten!

RECLAIM YOUR CLUB

Die Entwicklung beim FC Sankt Pauli kennt gerade nur eine Richtung. Auf
der Suche nach immer neuen Absatzmärkten und Umsatzsteigerungen bleiben
zunehmend die gemeinsamen und zwischen der Fanszene und dem Verein
ausgehandelten Ideale auf der Strecke. Der Verein richtet sich mit
seinem Vorgehen nicht mehr an die Bedürfnisse von MitgliederInnen,
Alteingesessenen und jungen Fans. Vielmehr werden diese Menschen
zunehmend durch immer weiter steigende Ticketpreise aus dem Stadion
gedrängt. Anstatt vermehrt bezahlbare Steh- und Sitzplätze zu bauen, hat
das Millerntor nach bisher zwei neugebauten Tribünen schon jetzt mehr
Business-Seats als die „Allianz-Arena“ des FC Bayern. Das Ziel, so
scheint es, ist eine perfekte Kulisse für den idealen Konsumenten, den
es gar nicht gibt, aber geben soll.

Eine kritische Fanmasse – die sich auch politisch in Prozesse mit
einbringt – wirkt in diesem Zusammenhang eher störend. Vielmehr sollen
die aktiven Fans fahnenschwenkend eher als Rahmen dienen für den/die
„ideale ZuschauerIn“, die als gerngesehene KonsumentInnen in den
S/éparés /oder Business-Seats umgarnt werden. Immer schneller dreht sich
in letzter Zeit der Kreisel des Marketings: Ob ein Getränk mit dem Namen
„Kalte Muschi“ als offizieller Vereinssponsor; eine Loge, wo bei jedem
Tor eine Tänzerin die „Hüllen fallen lässt“ (welches beides ganz klar
gegen die Leitlinien des Vereins, gegen Sexismus im Stadion verstößt)
oder immer neuere Werbeformen im Stadion (Blau.de). Der Verein lotet
anscheinend gerade immer wieder neu aus, wie weit er dieses Spiel der
kompletten Vermarktung noch treiben kann. Mit „not established since
1910“ hat das schon lange nichts mehr zu tun – dieser Satz verkommt
immer mehr zu einer Farce..

Wir stellen uns dieser Entwicklung entschieden entgegen: Wir wollen
einen Verein, der sich wieder nach den Bedürfnissen der Fans richtet und
sich zu den gemeinsam beschlossenen Leitlinien klar bekennt, ohne sie
immer weiter zu umschiffen. Für uns ist jedoch wichtig, die „Schlacht“
nicht nur im Stadion, sondern auch auf der Straße zu führen. Kämpfe um
gemeinsame Werte und Ideale lassen sich nun mal nicht allein im Stadion
austragen und gewinnen. Entern wir das Stadion! Entern wir die Straßen!

Die „Sozialromantiker“ haben es geschafft, in wenigen Tagen über 3.700
Menschen für ihre Petition zu sammeln und hinter dem Symbol des Jolly
Rouge und dem dazugehörigen Slogan „Bring Back Sankt Pauli!“ noch viel
mehr Menschen hinter sich zu vereinen. Wie heißt es so schön in der
Petition: /„Die Zeit der Treffen ist vorbei. Es reicht!“ /Lasst uns
diese ungeahnte Energie nutzen und gemeinsam nach dem Unmöglichen greifen:

BRING BACK SANKT PAULI! JETZT ODER NIE!

RECLAIM YOUR VIERTEL

Für uns ist jedoch wichtig, die Entwicklung um den Verein nicht getrennt
von den Veränderungen im Stadtteil zu sehen. Für uns ist dabei der
Stadtteilverein untrennbar mit seinem Viertel verwoben.

Ob nun die Auseinandersetzungen um die Hafenstraße, die Räumung des
Bauwagenplatzes Bambule im Karoviertel oder der geplante Neubau des
Sport-Doms in den 90ern: Die Proteste wurden immer von dem Stadion in
den Stadtteil und auch umgekehrt vom Viertel ins Stadion getragen, wie
z. B. die nicht ganz unbekannte Flagge mit dem Totenkopf. Gravierende
Veränderungen im Viertel waren auch immer im Stadion zu spüren. Die
StadionbesucherInnen waren dabei auch immer ein Querschnitt aus den
BewohnerInnen des Viertels, worauf auch der Verein immer stolz war..
Gerade heute lässt sich eben nicht nur für den FC Sankt Pauli
feststellen, dass der Verein zunehmend kommerzialisiert wird. Auch der
Stadtteil ist einer verstärkten Veränderung „von oben“ ausgesetzt, ohne
dabei die Menschen vor Ort mit einzubeziehen. So wie sich die Gesichter
am Millerntor mit der Einführung der Logen und Business-Seats immer mehr
verwandeln, verändert sich auch die Zusammensetzung der Leute, die auf
Sankt Pauli wohnen. Besonders dieser Stadtteil wird immer weiter nach
ökonomischen Kriterien „durchgestylt“. Menschen, die sich die
explodierenden Mieten im „Szenekiez“ nicht mehr leisten können, werden
einfach verdrängt. Insbesondere die Menschen, die den Stadtteil
ausmachen und den Verein in den letzten beiden Jahrzehnten so stark
geprägt haben, bleiben bei dieser Entwicklung auf Strecke: Viele von
ihnen mussten schon umziehen oder können sich zunehmend ihre Mieten in
„ihrem“ Stadtteil nicht mehr leisten. Aktuell wird dieser Prozess der
Verdrängung an verschiedenen Großprojekten deutlich. AnwohnerInnen
wehren sich zum Beispiel dabei entschlossen gegen das von Investoren
geplante „Bernhard-Nocht-Quartier“. Auch die unmittelbaren NachbarInnen
und Gewerbetreibende der sogenannten „Esso-Häuser“ sind von Plänen eines
Großinvestors betroffen.

Ob die „Tanzenden Türme“, eine geplante St. Pauli Music Hall, das
Riverside Hotel oder auch der leer stehende „Astra-Turm“: Für viele ist
in dieser „schönen neuen Welt“ auf Sankt Pauli kein Platz mehr. Auch die
in unmittelbarer Stadionnähe und seit 20 Jahren besetzte Rote Flora, in
der auch Veranstaltungen aus der Sankt Pauli Fanszene stattfinden,
scheint neuerdings mal wieder von einer Räumung bedroht.

Diese ganzen Entwicklung werden wir nicht mehr länger tatenlos
hinnehmen. Für uns ist wie bei aktuellen Veränderungen des Vereins auch
hier ein Punkt erreicht, an dem wir sagen: „Es geht einfach so nicht
mehr weiter. *Wir sagen Stopp!“*

Wir wollen uns gemeinsam gegen den Ausverkauf von Sankt Pauli und einer
Politik der Ausgrenzung entschieden entgegenstellen und setzen dem ein
Recht auf Stadt für alle entgegen, unabhängig von Alter, Nationalität,
Geschlecht, Aussehen oder Kontostand

BRING BACK SANKT PAULI – RECLAIM YOUR VIERTEL!

Aus diesen Gründen
rufen wir am Samstag nach dem Spiel
des FC Sankt Pauli gegen den SC Freiburg
um 18 Uhr zu einer Demo vom Millerntor
durch den Stadtteil Sankt Pauli bis
zum „Bernhard-Nocht-Quartier“auf.
Seid dabei laut, entschlossen,
kreativ, bunt und vielfältig.

Lasst uns auch auf der Straße zeigen, wie viele wir sind!
Lasst uns gemeinsam unter der Flagge des Jolly Rouge und mit ganzer Kraft am Samstag die
fast erloschene Flamme Sankt Pauli neu zum lodern bringen!

Für unseren Verein und für unseren Stadtteil!
Nur gemeinsam lässt sich dieser Kampf gewinnen!


The Oel Spill: Die ESSO-Häuser bleiben umkämpft

Presseerklärung:
„Die ESSO-Häuser bleiben umkämpft.
Investor gibt sich verhandlungsbereit“

Die Bayerischen Hausbau GmbH veranstaltete am Samstag, den 20.11.2010
im Ballsall des 1. FC St. Pauli einen Ideen- und Informationsworkshop
zu den so genannten ESSO-Häusern. Viele MieterInnen und NachbarInnen,
darunter zahlreiche Mitglieder der Initiative ESSO-Häuser, sowie einige
der Gewerbetreibenden, waren gekommen, um ihren Unmut über die
Abrisspläne des Immobilienunternehmens Luft zu verschaffen. Die
Betroffenen machten klar, dass der Erhalt der Häuser für sie Priorität
hat und dass sie einen Workshop, der von einem Abriss der Häuser und
einer Bebauung mit einem erheblichen Anteil von Eigentumswohnungen
ausgeht, für eine Farce halten.

Im Laufe der Veranstaltung reagierte die Bayerische Hausbau GmbH auf
die Wut und den Widerstand der Anwesenden und verkündete, dass sie sich
vorstellen könnten, zu prüfen, die so genannten ESSO-Häuser doch nicht
abzureißen. „Wir sind sehr erfreut über den vermeintlichen Sinneswandel
der Investoren, bleiben jedoch skeptischen wie authentisch diese
Bekenntnis ist“, kommentiert Claudia Röthig von der Initiative ESSO-Häuser.

Das Münchener Unternehmen, welches zur Schörghuber-Gruppe gehört,
hat das Gelände vor eineinhalb Jahren gekauft. Vorabsprachen mit der
Politik und die Planungen, die Häuser abzureißen wurden über Monate
forciert, ohne die MieterInnen darüber zu informieren, geschweige den
zu beteiligen. Erst seitdem die Initiative ESSO-Häuser Öffentlichkeit
und Widerstand gegen die Abrisspläne organisiert, fängt die Bayerische
Hausbau GmbH an, sich in einer vermeintlichen Beteiligungs- und
Informationsvermittlung zu üben.
„Wir wertet es als einen Erfolg unseres Widerstandes, dass die
Investoren überhaupt einen solchen Workshop veranstalten. Sollte es nun
einen Kurswechsel beim dem Münchener Unternehmen geben, begrüßen wir
dies. Wie authentisch dieser ist, wird sich aber in naher Zukunft
beweisen müssen“, so Röthig weiter. Die Inititative Esso Häuser wird in
den nächsten Wochen ihrerseits damit beginnen, Vorschläge für das Areal
zu erarbeiten.

Initiative ESSO-Häuser, 21.11.2010
www.initiative-esso-haeuser.de
info@initiative-esso-haeuser.de


The Oel Spill: Auch die Bewohner der Esso Häuser machen sich gerade

Unsere „Immobilien mit Gesicht“
zeichnen sich durch
eine zentrale Lage,
erstklassige Nachbarschaft und
eine optimale Infrastruktur aus.“

Dieses Profil der Bayerische Bau und Immobilien GmbH & Co. KG,
die das Grundstück Spielbudenplatz 5 bis 13 rund um die berühmte St. Pauli Esso Tankstelle; „langfristig sichern und perspektivisch weiterentwickeln will“, wurde nach einer Bemerkung, das es ja im Angesicht seiner illustren Bewohner schon ein wenig zum Lachen wäre, kurzer Hand entfernt.

Dabei gab man sich auf Anfrage durchaus auskunftsfreudig: „Hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Grundstückes befinden wir uns in Gesprächen mit den zuständigen Behörden und Gremien der Freien und Hansestadt Hamburg und dem zuständigen Bezirk. Die Tankstelle, der Shop, die Waschanlage und die Tiefgarage werden auch weiterhin von der Reeperbahngaragen P2 GmbH betrieben. Das Mietverhältnis ist ungekündigt.“

„Der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe ist es ein besonderes Anliegen, Projektentwicklungen behutsam umzusetzen und vorhandene städtebauliche Strukturen sinnvoll zu ergänzen, um die Stadtviertel sowohl funktional als auch ästhetisch aufzuwerten.“

Da man sich am Anfang der Planungen befände, bittet man um Verständnis, dass man sich weiter noch nicht äußern und zu gegebener Zeit gerne informieren werde. Das Grundstück Spielbudenplatz 5 bis 13 solle nicht in einen Fonds übergehen. Auf die Frage, inwiefern die Bewohner der Häuser an einer Planung beteiligt würden, entgegnete die Pressereferentin, daß man im (heißen) Herbst 2010 eine Veranstaltung plane, in deren Rahmen man die Mieter über die geplante Entwicklung des Grundstücks informieren wolle.

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir, bevor wir die Öffentlichkeit unterrichten, unsere Mieter über den aktuellen Sachstand informieren möchten, damit diese aus erster Hand erfahren, was wir planen. Aus diesem Grund möchten wir zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Details kommunizieren.“

Das zwecks Öffentlichkeitsarbeit angefragte Grillfest wurde von den Bayern wohl temperiert abgelehnt, und aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt: (offenes Feuer) führe zu einer erhöhten Brandgefahr aufgrund der seit längerem andauernden Hitze und der Nähe zu den benachbarten Gebäude. Des Weiteren fand zeitgleich der Schlager-Move am Spielbudenplatz statt, an dem eine große Personenzahl teilnahm. Dabei wäre nicht sicher auszuschließen gewesen, dass das Eingangstor zum Spielbudenplatz offen geblieben wäre und eine nicht überschaubare Menschenanzahl am Grillfest teilgenommen hätte. Wie wahr!

Das Grillfest musste aus diesem Grunde auf der Straße stattfinden und in der Tat kamen dann auch neben zahlreichen St. Paulianerinnen der umliegenen Initiativen gegen die Gentrifizierung, der ein oder andere, betrunkene schlagergemovte, um ein Würstchen abzustauben oder um kurz vor der Besinnungslosigkeit stehend, seine Solidarität auszulallen und vor diesem ehrenwerten Haus hemmungslos zu urinieren…

Die in München beheimatete GmbH & Co. KG; „eines der größten integrierten Immobilienunternehmen in Deutschland,“ bündelt alle Aktivitäten der Schörghuber Unternehmensgruppe in den Bereichen Bauen und Immobilien. Dazu gehört Portfoliomanagement, Fertighäuser und Dienstleistungen. Seit mehr als 50 Jahren ist die Schörghuber Unternehmensgruppe auch in den Unternehmensbereichen Hotel (Arabella Hospitality Group), Flugzeugleasing sowie Getränke (Paulaner, Kulmbacher, Fürstenberg, Hoepfner) national und international tätig.

Sie beschäftigt sich also mit der Vermarktung der legalen Droge Alkohol, tut also gut daran, sich an drogenattraktiven Orten zu engagieren und wird dabei hoffentlich nicht vergessen, das solche Leute offenkundig ein schmuddeliges Image wünschen.-)

Ob der jüngsten Negativschlagzeilen der Massenfeierbranche und auch wegen der zu erwartenden massiven Widerstände einer sehr gut vernetzten Recht auf Stadt Bewegung, sollte man vielleicht seine Pläne in Hamburg überdenken.-)

Djdeutschland

www.initiative-esso-haeuser.de