Irritation und Verwirrung

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Elbphilharmonie

Kostenexplosion-Elbphilharmonie-Grafik

Warum stoppen wir das nicht und überlassen die Bauruine Elbphilharmonie der Allgemeinheit? Zum Beispiel den Leuten von der Hafenstraße, die haben doch etwas wirklich Gutes auf die Beine gestellt, ein wirkliches Touristenmagnet von Weltrang!

Djdeutschland


Gerecht geht anders



Die Montagskolumne #101 Viel Harmonie


noroomgalery

Der Sonntagsspaziergang

sollte diesmal – ganz Entdeckungsreise – in die Hafencity gehen.
Wohl dem, der einen Sohn hat!
Wir durchquerten das windige, menschenleere neue Brauviertel.
Schon auf der Seewartenstraße beim ehemaligen Hafenkrankenhaus
hörte es auf, nach Pisse und Alkohol zu stinken.
Wir warteten auf der Aussichtsplattform, mit Blick auf die Landungsbrücken,
die unter uns hergleitende U-Bahn ab und tranken einen Schluck Wasser.

Am Gruner und Jahr Pressehaus trafen wir auf erste Touristenströme.
Es fiel uns ein, daß wir noch nie den Michel bestiegen hatten.
Sechseurofünfzig später erklommenen wir die Stufen.

Auf dem Weg nach oben gab es viel zu sehen,
zum Beisspiel das Uhrwerk des Michels und einige Glocken.
Der Schweiß lief in Strömen, die Waden spannten.
Es hat sich gelohnt, jetzt wissen wir,
daß auf dem Dach eines jeden Hochhauses Schienen liegen,
für die Körbe der Fensterputzer.

Wieder unten, überquerten wir die Brücke zur Hafencity bei der Kehrwiederspitze.
Der Touristenstrom schwoll an, alle möglichen Sprachen, es begann zu regnen.
Keine Massenpanik.

Wir kauften ein italienisches Eis für jeden am Eiswagen:
„Wieviel Kugeln?“ „Unter tausend“!
Wir setzte uns auf eine überdachte Bürohaustreppe und wunderten uns
über das Interesse der vielen Touristen an diesem Teil der Stadt
und beobachteten eine Frau mit Kapitänsmütze beim Flaschensammeln.

Wir setzten unseren Weg auf einem Privatweg mit Aschenbechern
auf eigene Gefahr fort. Nach einigen Windungen, Treppe rauf, Treppe runter,
wurde der Blick auf die zur Touristenmeile mutierten Magelanterassen frei.

Auf unserem Weg dorthin, stießen wir auf weißen Treppen,
hindurch zwischen futuristischen Häusern zu einem Basketballcourt.
Bei einem Schanzenbäcker nahmen wir etwas zur Stärkung ein
und betrachteten die Gebäude, in denen wir gerne wohnen würden.
Zu teuer. Noch!
Der Schanzenbäcker verweigerte den Pfand für die dort gekaufte Plastikflasche.
Kein Kleingeld.

Auf den Terrassen bestiegen wir den Elbphilharmonie-Showroom
der aus Hörnern, in die man hineinhören konnte,
Lust auf Orchestermusik machen sollte.
In seiner Kuppel konnte man den Musiksaal, wie er einmal seien wird,
mit seinen vielen kleine Figuren betrachten.

Wir lernten eine Dame kennen, die ihre Herkunft nicht verleugnen konnte,
uns von einem Überfall erzählte und von ihrem Mann.
Er hatte ehemals mit Finanzierungen sein Geld verdient.
Nur die Häuser der Hafencity hätte keiner finanzieren wollen:
Denn wenn das Wasser kommt, so meinte sie, würden die schönen neuen Häuser verschwinden.

Wir gingen über die Brücken nach Hause.
Es war ein schöner Tag

djdeutschland family


Wir sind unter Euch




Fotos: Simon Goertz

Wir sind überall.

Die neuesten Bilder unserer Ausweichlocation in der Elbphilharmonie.

Alles selbst bezahlt!

Friede den Palästen, Kampf den Hütten!


Wie gehts weiter?

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Wir geben Euch Arbeit

beschäftigen Euch, haben die Ideen, machen es interessant hier,
sind gut gekleidet, werten das Viertel auf, sind kreativ, bunt,
sympathisch, eloquent, motiviert, engagiert, verhalten uns ruhig,
sexy, ehrenamtlich kostenfrei. Und von Euch kommt gar nichts!

Was meint ihr, wieviele Anfragen wir täglich haben?
Von internationalen Universitäten, Studenten, Professoren, Popstars,
Zeitungen, Künstlern, Theatern, Fernseh- und Radiosendern,
Investmentbankerinnen, Modeschöpferinnen, Polizisten, Bauern, Brauern,
Prominenten, Waschmaschinen-Herstellern, Wehrsportgruppen, Denkmalschützern, von Facebook, Twitter, Google, Miele, Henkel..!

Nur die Legislative kommt nicht in die Gänge.
Seid ihr blöd?
Na klar, ihr habt in letzter Zeit große Scheiße gebaut;
Elbphilharmonie, HSH Nordbank, Vattenfall..,
aber glaubt ihr wir machen das zum Spaß?

ES GEHT UM S-O-Z-I-A-L-E-N FRIE-DEN!
(bitte hamburgisch aussprechen)

Was meint ihr, wehe, wenn auch noch eure Gewerbeimmobilien-Blase platzt.
Es ist eure große Chance endlich mal ’nen Stich zu machen!

Wieviele Erfolgsmodelle wollt ihr denn noch?
Was meint ihr, warum die ganze Mischpoke hier rumhängt
und von oben ausgerechnet auf uns runter gucken will, hä?
Ihr hängt so in der Scheiße.

Wir helfen Euch da raus.

Djdeutschland


Die Vertreibung der Vertreibung

ikea-bahnRandPop

Nach dem ‚No‘ muß das ‚Yes‘ kommen, nach der Null die Eins.

Nicht nur in Hamburg bewegt sich ‚was,
zum ersten Mal seit 1982
sind in Hamburg mit dem Gängeviertel
wieder Häuser erfolgreich besetzt worden.

Die letzte Besetzung fand in Hamburg
vor siebenundzwanzig Jahren statt;
damals, als die SAGA das Erdgeschoss
eines der Hafenstraßenhäuser zumauern lässt
und Bewohner im Gegenzug den Eingang
der SAGA-Geschäftsstelle in Altona zumauern.

Man muß nicht besonders schlau sein,
um zu begreifen, daß wir uns ändern müssen.
Statt immer mehr Natur zu zerstören,
sich auszudehnen, Land zu fressen,
müssen wir uns in den Städten verdichten
und dabei statt toxisch schönem Leerstand,
Bedingungen schaffen, die für Alle
produktiv, nachhaltig und lebenswert sind.
Das hat selbst IKEA begriffen!

Die Stadt gehört allen, denen die in ihr leben und arbeiten
und damit muß die Planung ein demokratischer Prozess sein!
Die Entwicklung einer Stadt allein Investoren und Stromkonzernen zu überlassen,
deren Interessen ausschließlich dem kurzfristigen Profit gelten,
war gestern, bedeutet Leerstand, ist ungesund
und rechnet sich nicht.

Dazu muß man sich
von immer gleichen Ritualen
und Lagerdenken verabschieden.

Der Widerstand gegen Vertreibung, gegen Gentrification,
gegen die Zerstörung gewachsener Wohnquartiere und Freiräume,
gegen Kommerzialisierung, ist längst kein Anliegen mehr
von nur linksalternativen Gruppen,
sondern er ist vielfältig geworden.
Es ist ein kultureller Impuls!

Eine Doppelseite im Hamburger Abendblatt,
auf der sich 200 Architekten und Prominente
für eine andere Stadtentwicklungspolitik aussprechen,
ist nur ein weiterer Beleg dafür.

Auch die Politik ist hellhörig geworden.
Sie kann nicht mehr auf der einen Seite
eine sogenannte Politikmüdigkeit beklagen
und auf der anderen Seite eine immer größer werdende,
dezentrale Bürgerbewegung,
die nach demokratischer Teilhabe verlangt, ignorieren.

Die Investoren Köhler & von Bargen,
die gegenüber Anwohnerinitiativen wie z.B. NoBNQ
bereits scheinheilige Zugeständnisse machen,
bedienen sich allerdings des perfiden Mittels
eines bezahlten Agent Provokateurs.

Ein ehemaliger Journalist dessen vermeintliche Gegenbewegung
alteingesessener St. Paulianer, die ausgerechnet
den Bau von 74 Eigentumswohnungen befürworten,
schafften es, obwohl sich rein gar nichts dahinter verbirgt,
unter Mithilfe der Bildzeitung kurzfristig in die Charts.

Gentrification ist sicher auch ein Naturereignis,
auch ich habe damals einen Junkie aus meiner jetzigen Wohnung ‚raus gekauft.
Wie Christoph Schäfer es so schön in dem Film von Margit Czenki
‚Abwertungskit‘ sagt:
„Kaum läuft jemand mit Dreadlocks durchs Viertel, schon steigen die Mieten“

Es geht aber um mehr!
Im Zuge der ‚Krise‘ wird immer deutlicher,
was nicht sein kann; daß einige wenige kapitalkräftige Anlagebetrüger,
der überwältigen Mehrheit, steuerlich begünstigt, ihren Willen (und ihre Villen) aufzwingen können.

Das der Senat kreativ für Milliarden der HSH Nordbank
und Prestigeprojekte wie der Elbphilharmonie virtuell bürgt
aber nicht für unsere fortschrittlich, nachhaltig,
gesunden und wirtschaftlich erfolgreichen Projekte,
ist nicht mehr vermittelbar.

Der Widerstand rollt und ist nicht mehr anzuhalten,
er manifestiert sich durch die unterschiedlichsten Menschen
und deren Projekte, nicht nur in dieser unseren Stadt.

Der Letzte Schrei der Vertreibung gegen die Vertreibung,
hat gestern Nacht in einer der dunkelsten Straßen
St. Paulis seine Pforten geöffnet:
Das ‚REVOLUTION #9‘ in der Schmuckstraße,
in dem einst auch die Beatles aßen
und das sich dadurch auszeichnet,
über mehr Hinterzimmer als Gastraum zu verfügen,
empfiehlt sich hierfür als neues, herrlich konspiratives Hauptquartier.

Insider behaupten, es solle dort tagsüber am schönsten sein…

Djdeutschland

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10.05.09. 03:39

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