Irritation und Verwirrung

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Die Montagskolumne #167 Eigentum ist Diebstahl

 

Egal, wie es geklaut oder ergaunert wurde, Eigentum wird geschützt. Der Aufwand ist dabei egal, es werden Kriege dafür geführt, die ganze Länder verseuchen. Eine der größten Errungenschaften der Menschheit, das Netz, das Wissen und seine Freiheit, soll sogar dafür geopfert werden. Selbst die Schulden der Regierung sind Eigentum eines Jemanden. Er kann es aus dir, dem Volk und noch aus seinen Kindern herauspressen; auch wenn man dafür die Demokratie, die Freiheit, ein Land, ein Leben preisgeben muss! Die Schätze der Welt sind das Eigentum eines Jemanden, der die Macht, das Geld hat, Menschen zu unterjochen, die Schätze für ihn zu bergen, zu bezahlen und zu befeuern. Je mehr er das tut, desto mehr Menschen kann er unterjochen und verschulden, für sein Eigentum zu schuften. Sie nennen es den freien Markt, ich nenne es Diebstahl!

Djdeutschland


Der Einzige und sein geistiges Eigentum

Christian Ziegler ‎Sechs Gründe für eine Überwindung des Konzeptes vom ‚geistigen Eigentum‘:

1) Demut: Jeder, der mit seinen geistigen Erzeugnissen geizt, lebt auch von anderen, die das nicht getan haben.

2) Fairness: Das gegenwärtige Urheberrecht belohnt nicht geistige Leistungen, sondern die Fähigkeit, sich geistige Leistungen schützen zu lassen. Das sind prinzipiell zwei ganz verschiedene Dinge.

3) Übergeordneter kultureller Wert: Die kulturelle Aufgabe unserer Zeit wäre es, nicht in erster Linie immer neue Inhalte zu produzieren, sondern die vorhandenen zu ordnen, aufeinander zu beziehen und sinnvoll zu erschließen. Der Kulturheros dieser Epoche wäre der brilliante Bibliothekar, nicht der ’schöpferische Genius‘ der Romantik. Der Bibliothekar braucht die Erlaubnis, fremde ‚Bücher‘ arrangieren zu dürfen.

4) Bildung: Zur Zukunft der Bildung gehört in viel stärkerem Maße als bisher die Autodidaktik. Diese wird umso besser gelingen, umso mehr wertvolle Lehrmittel jedermann zugänglich sind. (Vorausgesetzt, wir können auch die Lernlandschaft defragmentieren und Qualitätssicherungsmechanismen implementieren.) Es ist unsinnig, den Wert der Bildung zu loben und Chancengleichheit zu befürworten, wenn man nicht gleichzeitig für Lehrmittelfreiheit sorgt.

5) Wissenschaft: Der wissenschaftliche Wert des Internets wird sich nicht darin erschöpfen, MEDIUM wissenschaftlicher Kommunikation zu sein. In Zukunft noch wichtiger wird die Möglichkeit sein, die Datenmengen des Internets selbst automatisiert bzw. halbautomatisiert auswerten zu können. Urheberrechtliche Datenschranken führen dann zu einem ‚availability bias‘. Wir verfälschen also durch einen falsch verstandenen Urheberschutz unsere Welterkenntnis. (Und berauben uns damit auch der Chance, Politik auf rationalerer Grundlage betreiben zu können.)

6) Wirtschaft: Einschränkungen der Mitteilbarkeit von Arbeiten, die auf vorhandene Werke aufsatteln, führen zu erheblichen Redundanzen und der Verschwendung geistiger Ressourcen. Es ist sinnvoller, etwa ein paar gut strukturierte Musik- oder Filmdatenbanken allgemein zugänglich zu haben, als Millionen von Menschen Millionen von Arbeitsstunden zubringen zu lassen, ihre persönlichen, lückenhaften Archive aufbauen zu lassen. (So wie man in Maos China feststellen mußte, das millionenfache Hinterhof-Stahlkocherei doch keine gute Idee ist.)

Fazit: Weil es einen kulturell-moralischen Imperativ gibt, geistige Schöpfungen allgemein verfügbar zu machen, DARF sich die gegenwärtige Diskussion nicht mehr auf die Verteidigung eines dysfunktionalen status quo beschränken. Ausgangspunkt der Diskussion MUSS die Frage sein: Welche ANDEREN Möglichkeiten gibt es, geistig Schaffenden eine angemessene Teilhabe an den materiellen Ressourcen zu sichern?

Und untendrein:  ‚Geistiges Eigentum‘, ebenso ‚Enteignung‘ oder ‚Raub‘ sind lediglich polemische Metaphern in diesem Zusammenhang. Eigentum gibt es in unserer Rechtsordnung nur an SACHEN, zum Raub gehören Drohung oder Gewalt. Die Frage, ob es SINNVOLL ist, Urheberrechte als ‚eigentumsähnlich‘ zu konstruieren, kann und sollte man ergebnisoffen erörtern und diskutieren – statt diese Frage durch moralische Drohgesten verhindern zu wollen. Copyleft by Christian Ziegler.

 

Übervölkert

Ob in Afrika, Indien, China oder im Gazastreifen – keine Ahnung an welchen Ort die Vereinten Nationen den symbolisch siebenmilliardensten Erd-Bewohner verortet und hingrechnet haben. In meinem Innenhof wird es jedenfalls eng. Die Investoren Köhler & von Bargen konnten sich durchsetzen mit ihrem Gebar(g)en, bar jeder Bauvorschrift und mit Hilfe des Billiglohnsektors, zukünftige Kapitalanlagen anzusiedeln. Nicht genannte Spender, sind gesichtslos verschwunden, so etwas nennt man wohl Verengung. Weniger Sonne, weniger Himmel, weniger Platz, dafür mehr Krach. Mit meinem Wunsch nach Schutz der Ruheräume, konnte ich mir kein Gehör verschaffen, einer Einladung meinerseits kam leider nie jemand nach. Vergessen wir nicht: Vögel sterben nicht durch Viren aus, sondern durch Vernichtung ihrer Lebensräume und Lebensgrundlagen! Als Erfolg feiert man: Es sind keine Eigentumswohnungen gebaut worden und Mieten ein Jahrzehnt lang garantiert – sie werden ihre Besitzer wechseln und dann wird es kein Halten mehr geben. Mir bleibt, mich auf neue Nachbarn zu freuen, schon bald werden in der Bernhard-Nocht-Straße rund zweihundert Menschen mehr leben, ich hoffe sie denken nicht so eng, wie hier gekämpft wurde.

Djdeutschland