Irritation und Verwirrung

Beiträge mit Schlagwort “Ägypten

„Gegen Panzer ist Zivilcourage machtlos.“

Zur Mahnung

und zum Gedenken an den Volksaufstand am 17. Juni 1953


Die Montagskolumne #127 Neues Ägypten – Alte Verträge

Die demokratischen Waffenlieferanten

machen sich Sorgen. Wieder den Falschen die Waffen geliefert? Was, wenn die friedliche ägyptische Party-Atmosphäre noch ausartet? Die bringen es fertig, und fangen an zu kiffen, werden noch friedlicher und wollen keine Heckler & Koch mehr um den Frieden zu sichern. Was dann?

Kein Moslembruder war bereit, sich zur Abschreckung in die Luft zu sprengen! Trotz Terrorwarnung, nur Terror in den von uns besetzten Gebieten! Keiner will mehr für zwei Euro für uns arbeiten! Jemen, Algerien, Jordanien, ist natürlich ‚was gaaanz anderes!

Oder haben wir uns geirrt, und die sind gar nicht so blöd, wie wir dachten? Schutzgeld an Gaddafi sollten wir zahlen,  sonst wird Europa schwarz. Lampedusa quillt über, Berlusconi ruft den humanitären Notstand aus! Man muß sich jetzt beeilen und in Zukunft wieder in Saudi Arabien rekrutieren. Natürlich nur, wenn sie bei uns studiert haben, ‚was bombardieren, wie gehabt.

Djdeutschland


Die Montagskolumne #126 Schande auf Europa

Heckler & Koch

Die Verlogenheit Euopas ist kaum zu überbieten

Auf der Münchener Unsicherheitkonferenz sorgt man sich um seine Absatzmärkte und die größte Waffenhändlerin der Geschichte, Hillary Clinton beschwichtigt: Immer langsam mit der Demokratie! Jüngst hatte sie das größte Waffengeschäft aller Zeiten mit den Saudis eingefädelt. Die Kanzlerin heuchelt, man könne den Ägyptern nicht vorschreiben, was sie zu tun hätten. Seit wann kann man einer Marionette nicht die Fäden kappen? Wir werden belogen, die Waffenlieferungen in dieses Gebiet im Ausnahmezustand, haben sich verdoppelt! Der Tod bleibt ein Meister aus Deutschland. Die Israelrhetorik funktioniert nicht mehr, der bis zur Erschöpfung wiederholte Vorwurf des Extremismus während man selbst undemokratisch und terroristisch agiert, ist nicht aufrecht zu halten. Das internationale Menschenrecht muß der oberste Masstab sein! Vor islamistischem Extremismus zu warnen, den man selbst durch Unterdrückung, Folter und gezielter Tötung erst schafft, ist bigott. Warum warnt man nicht vor Kapitalismus? Er tötet Menschen, er vernichtet die Welt!

Doch die Ägypter lassen sich nicht mehr abweisen, der Geheimdienstmann Omar Suleiman wäre nur eine andere Spielfigur des gleichen Systems. Eine Revolution hat sich in Bewegung gesetzt; ihre Kraft kommt ganz unvermittelt und überraschend für die westlichen Geheimdienste und sie heißt Entlarvung. Selbst George W Bush traut sich nicht nach Europa, die Schweizer wollen ihn verhaften. Wir haben Zeit und setzen auf internationales Recht. Wir werden Euch alle kriegen, von Ruhmsfeld bis Dick Cheney, von Tiny Blair bis Berlusconi, von Steinmeier bis Fischer. Wir kriegen Euch alle!

Djdeutschland


Die Montagskolumne #125 Change is coming

Quelle: Tagesanzeiger

Das Regime ist am Ende

Das kann jeder sehen. Erinnern wir uns daran, was das Kippen von Regimen in den letzten zwanzig Jahren mit Europa gemacht hat. Wir können frohlocken! Die Frage ist nur: zu welchen Verlusten? Schließlich hat die ‚freie Welt‘ genügend Waffen geliefert zur Unterdrückung! Doch auch die Lieferanten der Unterdrücker werden fallen; Obama hat eine ähnliche Wirkung wie seinerzeit ein Gorbatschow. Der Fall der feudalen Regime in Nordafrika, wird uns allen noch mehr Freiheit bringen! Dass jetzt manche vor den Islamiten warnen, ist verlogen. Der bis zur Erschöpfung wiederholte Vorwurf des Terrorismus, während man selbst terroristisch agiert, ist nicht aufrecht zu halten. Das macht die Einsetzung Omar Suleiman in Ägypten klar: er war es, mit dessen Hilfe Mubarak den angeblichen Putsch einer Hamas gesteuert hatte! Das ist kein Garant für Sicherheit in der Region, sondern der Garant für Unsicherheit! Auch die Ägypter wollen, wie Tunesier und Jeminiten, Demokratie und Teilhabe, sie wissen: Terror ist der Feind des Islams.

Der Kommentator dxb in der Zeit hat recht: „Die Bilder gleichen sich“. „Zahllose Brigaden der schwarzen Sonderpolizei aufmarschiert“. Im Wendland, Berlin, Stuttgart…,  heißt es bei denselben Bildern etwa: „… musste ein großes Polizeiaufgebot die zum Teil gewalttätigen Chaoten zurückdrängen“. „Unsere Regierung will ja nur unser aller Bestes, (…) und ist natürlich nicht durch die Kleptokraten gekauft. Wir sind froh, dass die Korruption bei uns ’nur‘ strukturell ist, systemimmanent und daher rechtlich nicht verfolgbar.“

Djdeutschland


Wer rettet Gaza?

Von Tarik Akan

Jedes Leid auf der Welt,

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das aus den Medien verschwindet,

verschwindet zur gleichen Zeit aus dem öffentlichen Bewußtsein.
Sobald es seine Brisanz für die Medien verliert, ist es keine Meldung mehr wert, auch wenn es in der Vergangenheit weltweit für Erschütterung gesorgt hat.
Denn das mediale und damit öffentliche Interesse gilt nur dem Neuen. Zieht sich das Leid über Wochen, Monate und vielleicht Jahre hin, wird es uninteressant, weil es dann auf den Rang des „Normalen“ zurückfällt.

Der Gazastreifen stellt einen solchen Fall dar.

Die israelische Militäroperation „Gegossenes Blei“ liegt inzwischen einige Monate zurück. Sie begann am 27. Dezember 2008 und endete am 18. Januar 2009 und kostete über 1300 Menschen das Leben. Mehrere Tausend wurden verletzt und Tausende von Häusern zerstört.

Während des israelischen Militäreinsatzes dominierten die Meldungen aus dem Gazastreifen die Nachrichten. Das Bombardement konnte sogar live am Bildschirm verfolgt werden. Heute ist der Gazastreifen gerade in den westlichen Medien kaum eine Meldung wert. Damit wird der Öffentlichkeit suggeriert, das Leben im Gazastreifen habe sich normalisiert.

Fakt ist jedoch,

dass bis heute die zerstörten Häuser weder wieder aufgebaut wurden,
noch die Infrastruktur wiederhergestellt oder aber die Versorgung der Menschen gewährleistet ist, die immer noch auf das angewiesen sind, was durch die Tunnel, die nach Ägypten führen, transportiert werden kann.

Die Anweisungen Israels befolgend,

weigert sich Ägyptens Präsident Hosni Mubarak noch immer, den Grenzübergang Rafah dauerhaft zu öffnen. Der gegenwärtige Zustand im Gazastreifen und die Lebenssituation der Menschen sind trotz allem nicht mehr Teil der internationalen Berichterstattung.

Es finden sich nur noch vereinzelt Nachrichten

über den Gazastreifen, die sich jedoch nicht unmittelbar auf die Palästinenser beziehen. So berichteten die Medien am 22. April 2009 lediglich, dass Israels Armee ihre internen Ermittlungen zu ihrer Militäroperation abgeschlossen habe und zu dem Ergebnis gekommen sei, dass kein Fehlverhalten der Soldaten vorliege.

„Wir haben nicht einen Vorfall gefunden, in dem ein israelischer Soldat absichtlich einem unschuldigen Zivilisten Leid zugefügt hätte“,

wurde Generalleutnant Dan Harel zitiert, ohne dass diese Aussage in die Kritik geriet oder hinterfragt wurde,
nachdem israelische Soldaten zuvor aber längst öffentlich gemacht hatten, welche Verbrechen an der Zivilbevölkerung begangen wurden. Was jedoch die Menschen im Gazastreifen angeht, so werden diese insbesondere von den westlichen Medien nicht mehr fokussiert.

Dass der Westen sich nicht mehr für das Schicksal der Menschen im Gazastreifen interessiert, liegt in seiner Natur begründet.

Zum einen kennt das kapitalistische System nur Profit und Nutzen? Die Medien sind Teil dieses kapitalistischen Systems?, zum anderen führt der Westen seinen „Kampf gegen den Terror“, der sich gegen die Muslime weltweit richtet und die Okkupation ihrer Länder im Visier hat. Weshalb sollte er sich also um das Wohl der Muslime im Gazastreifen scheren?

Allerdings darf es nicht in der Natur der Umma liegen,

sich nicht mehr für das Schicksal der Muslime zu interessieren, ob eine Angelegenheit der Muslime nun Teil der Berichterstattung ist oder nicht. Nicht die Medien oder die westliche Politik dürfen bestimmen, ob das Schicksal von Muslimen der Aufmerksamkeit wert ist und ob Handlungsbedarf besteht. Die Muslime dürfen nicht die Perspektive und die Gleichgültigkeit des Westens einnehmen, vor allem dann nicht, wenn es um ihre eigenen Belange geht.

Der Aufschrei der Umma,

der während der Angriffe auf den Gazastreifen in allen Ländern zu hören war, ist inzwischen vollständig verstummt. Noch Anfang dieses Jahres gingen die Muslime in Massen auf die Straßen und nannten die Übeltäter beim Namen. Sie prangerten nicht nur den Okkupantenstaat Israel an, sondern auch die Regenten der islamischen Welt.

Vor allem Mubarak,

der als direkter Mittäter Israels agierte und weiterhin agiert. Es kam zu Boykottaufrufen gegen israelische und amerikanische Waren und zu Spenden in großem Rahmen. Inzwischen ist die Aufregung der Muslime aber vollständig verklungen, so lange, bis die israelische Regierung zu einem neuen Schlag gegen den Gazastreifen ausholt.

Müssen aber die Muslime erneut in Massen sterben,

damit die Umma wieder auf sie aufmerksam wird und sich erhebt? Der Gazastreifen stellt noch immer eine humanitäre Katastrophe dar, auch wenn seitdem einige Monate vergangen sind. Die Dimension der Zerstörung ist so groß und die Mittel zu ihrer Beseitigung so knapp, dass der Wiederaufbau nicht vorankommt.

Die israelische Armee hatte während ihrer Militäroperation „Gegossenes Blei“

eine derartige Zerstörungstaktik an den Tag gelegt, westliche Beobachter waren angesichts des Ausmaßes der Zerstörung geradezu sprachlos.

Dass es den Menschen nach dem Militäreinsatz kaum möglich war, selbst jene Häuser wieder zu bewohnen,
die nicht von dem israelischen Bombardement zerstört wurden. Die Soldaten hatten in jenen Häusern, in die sie eingedrungen waren, in ihrem Vandalismus manchmal nicht nur das komplette Inventar zerstört, sondern auch im ganzen Haus ihre Fäkalien verteilt, an Wänden, auf Betten, in Schränken usw.

Bereits die Reinigung der Häuser

bereitete große Schwierigkeiten, weil es kein fließendes Wasser gab und es erst mühselig herbeigeschafft werden musste. Wie erst sollte der Aufbau der zerstörten Häuser und Straßen vonstatten gehen, wenn das Baumaterial und die Gerätschaften nicht zur Verfügung stehen?

Es mangelt zwar nicht an der Großzügigkeit

der Umma, doch ihre Spenden verkommen in Ägypten, weil Mubarak sie den Palästinensern vorenthält. Sie müssen sich Lehm- und Blechhütten bauen und auf Eselskarren fahren, weil der Gazastreifen sowohl von israelischer als auch von ägyptischer Seite abgeriegelt wird.

In den Krankenhäusern

können die Patienten bis heute nicht ausreichend und angemessen behandelt werden, weil das entsprechende medizinische Material fehlt, auch hier mangelte es eigentlich nicht an Spenden. Auch darf man nicht vergessen, dass die Wirtschaft im Gazastreifen völlig zerstört wurde.

Es wurden etwa 320 Fabriken und 800 Geschäfte zerstört.

Bei dem Grad der Zerstörung und den fehlenden Mitteln reicht der gesunde Menschenverstand aus, um zu erkennen, dass die Menschen im Gazastreifen noch immer Not leiden.

Zwar ist die Militäroperation beendet, nicht aber das Leid.

Rückblickend lässt sich deshalb feststellen, dass weder die vielen weltweiten Demonstrationen noch die Boykottaufrufe etwas bewirkt haben. Demonstrationen bringen lediglich eine Meinung zum Ausdruck, aber sie geben keine Garantie, dass die politischen Forderungen auch eingelöst werden. Sie sind keine Methode der Veränderung. Die bloße Bekundung eines Solidaritätsgefühls vermag keine Armee aufzuhalten oder die Verbrechen einer Regierung zu beenden.

Als die Kreuzfahrer im Jahr 1099 Jerusalem eroberten,

flüchteten die überlebenden Muslime, die der Versklavung entgangen waren, nach Bagdad. Dass sie gerade dorthin flüchteten, war kein Zufall, denn in Bagdad befand sich der Sitz des Kalifen, dem sie von den Ereignissen in Jerusalem berichteten und den sie um Beistand baten.

Doch an wen sollen sich die Muslime in Palästina heute wenden?

Sie haben keinerlei Möglichkeit, sich an einen Kalifen zu wenden, damit er sich um ihre Belange kümmert und seine Armee in Bewegung setzt.

Mubarak und seinesgleichen werden sich dieser Angelegenheit wohl kaum annehmen.


„Sogar im Krieg ist es möglich, daß man miteinander kommuniziert“

„Ich habe die Tage seit der israelischen Bodenoffensive damit verbracht,
mit den einzelnen Orchestermusikern zu sprechen.
Natürlich gibt es keine einheitliche Haltung zu diesem Krieg.
Und natürlich ist die Lage hoch komplex – emotional, mental und auch politisch.
Da kommen junge Menschen zusammen, deren Völker Krieg gegeneinander führen.
Der eine lebt in Israels Süden und wird seit Jahren von den Raketen der Hamas bedroht.
Der andere hat Angehörige in Gaza.
Und der dritte, der aus Ägypten oder aus Syrien stammt, wird von seiner Familie unter Druck gesetzt.
Alle aber haben mir gesagt: Wir müssen spielen und wir wollen spielen.
Weil wir nicht an eine militärische Lösung des Konflikts glauben.
Davor habe ich großen Respekt.“ (Quelle: Interview Zeit)

Daniel Barenboim, Dirigent des West-Eastern Divan Orchestra,  das 2009 zehn Jahre alt wird.