Irritation und Verwirrung

Die Montagskolumne #179 – Facebook is evil

Social-Media-Dienste wie Twitter und Facebook hatten einst den Ruf, nicht zensiert zu sein. Man dachte, sei man nur drin und dran, dann bekäme man die wichtigen und revolutionären Nachrichten schon von selbst. Schließlich verbreitet und empfiehlt man sich gegenseitig weiter, ein sozialer Filter sozusagen, durch den ich zu sehen bekam, was meine Freunde interessiert. Ist Facebook nun gerade dabei, sich sein eigenes Grab zu schaufeln?

Schon seit 2010 ist der Edgerank-Algorithmus bekannt, der die Nachrichten auf den Nutzer- Startseite filtert; nach so unmessbaren Faktoren wie der persönlichen Relevanz des Statusupdates für einen Benutzer. Woher will Facebook wissen, ob mich eine News „persönlich“ mehr oder weniger interessiert? Der Filter berechnet etwa ein, wie lange ich mich mit einer Seite beschäftige – doch wenn ich die News einer anderen Seite gar nicht erst anzeigt bekomme, obwohl ich den Freund oder die Marke vielleicht „genauso“ mag, dann interagiere ich wahrscheinlich auch weniger – das ist doch wohl eher ein Teufelskreis als ein kluger Algorithmus – als Benutzer bin jedenfalls enttäuscht, weil ich vielleicht doch wichtige Informationen gar nicht erst zu sehen bekomme.

Aber auch und besonders für Facebook-Fanseiten-Betreiber ist die durch den Filter gedrosselte Reichweite ärgerlich; Facebook selbst gab bekannt, dass die Statusupdates einer Fanseite inzwischen nur noch durchschnittlich 16 Prozent der Fans erreichen. Als Lösung bietet das Börsenunternehmen jetzt aber eine Art kostenpflichtige Werbemöglichkeit an, mit der sich angeblich wieder mehr als 90 Prozent Fans erreichen lassen. Große Unternehmen können den sogenannten Reach-Generator nutzen, für alle kleineren Seitenbetreiber gibt es neuerdings die „Promoted Posts“, die dann ungefiltert an alle Fans oder Freunde gehen.

Aber wie auch immer, ich als Nutzer bekommen den Unterschied nicht einmal mit, Content bleibt schließlich Content, der natürlich nicht als Werbung kenntlich ist, obwohl sich Facebook seine Zustellung bezahlen lässt.

Naja, vielleicht merken wir ja doch bald alle, dass unser Facebook-Newsfeed leider nicht unseren Interessen folgt, sondern denen von Coca Cola, Mc Donalds oder VW – eben denen, die es sich leisten können, uns ihre Statusupdates zuzustellen. Als Informationsquelle ist die Plattform so jedenfalls nahezu nutzlos, wenn sie erst filtert und dann auch noch Reichweite an große Unternehmen verkauft. Da gehe ich lieber wieder als erstes auf SPON, um auf dem Laufenden zu bleiben, schließlich kriegt da jeder kostenlos jede Information, auch wenn die natürlich 90 Prozent ihrer Nachrichten bei den Agenturen einkaufen, aber sie schreiben es wenigstens dazu!

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