Irritation und Verwirrung

Endlagern

Patrick Charton

ist bei der Französischen Agentur für die Verwaltung radioaktiver Abfälle (ANDRA) zuständig für das Langzeit-Gedächtnis im Hinblick auf radioaktiven Abfall. Er macht sich in offizieller Mission darüber Gedanken, wie auch in Millionen von Jahren Menschen noch wissen können, wo und welches radioaktive Material unter ihren Füßen liegt.

Auf welchem Material könnten Informationen Millionen Jahre überdauern? Wie will man erreichen, daß sich Menschen in zwei Millionen Jahren überhaupt dafür interessieren. Wie garantiert man, daß sich Informationen, wo sich ein atomares Endlager befindet, überhaupt entziffern lassen? Fragen, die bis heute niemand beantworten kann.

Das Atomforschungszentrum CEA in Grenoble ist dabei eine Technik zu entwickeln, mit Hilfe von in Saphir eingelagertem Titan-Material, auf atomare Abfälle eine Information anzubringen, die zwei Millionen Jahre überdauern könnte.

Nimmt man als Zeitspanne 300.000 Jahre , ist es äußerst schwierig, sich die Menschen vorzustellen, weil wir nur fossile Überreste kennen. Wir haben keine Spuren ihrer Kunstwerke, Zeugnisse ihrer Malereien, ihres Lebens, ihrer Kreationen.  „L’homme de Totavelle“, der älteste Franzose in den Pyrenäen entdeckt, lebte ungefähr vor 450.000 Jahren, es existieren lediglich Überreste seiner Knochen.“

Eines ist klar,  man kann die Augen davor nicht  verschließen, man kann nicht einfach das Gras darüber wachsen lassen. Es ist nicht möglich, mit chemischen Stoffen wie im Golf von Mexiko, die Folgen einfach von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Wenn wir bedenken, wie sich allein in den letzten 100 Jahren Machtverhältnisse wandelten, dann brauchen wir die kollektive Erinnerung, es darf nichts vergessen werden, es muß täglich für jedermann sichtbar sein.

Djdeutschland

6 Antworten

  1. uschiplenske

    Ich denke das alles ist eine Sache von Überlieferungschance und Überlieferungszufall.

    Plastik hält sehr lange. Man müsste aber unsere Kinder immer wieder dran erinnern, dass das Plastik erneuert werden muss, dann wären wir aber wieder auf deren Erinnerungsleistung angewiesen. Dazu würde das Problem der stillen Post existieren.

    Vielleicht muss man eine neue Religion bilden, der Atommüll ist unser Gott. Dann müsste man das verschriflichen, dann sind vielleicht die nächsten 2000 Jahre gesichert.

    Vielleicht haben wir glück und es schleicht sich ein Gendefekt ein, den es die Lebenwesen nicht mehr stören lässt, wenn man im Atommüll lagert…

    Egal, wie man es dreht und wendet, wir werden keine Chance haben. Aber da sieht man wieder den Egoismus der Menschen, die Arroganz gegenüber Verantwortung und und und.

    Vielleicht sollte man das alles hochgehen lassen und die Menschheit und die Welt ausrotten- sind doch eh auf dem Weg dahin, uns selbst zu zerstören, uns die Chance zu nehmen, die Zeiten zu überdauern.

    November 7, 2010 um 10:31 pm

  2. Brillant!

    Die Atommüllreligion, das Anbeten des Atommülls.
    Der Atommüllkult zwecks Bewahrung, der ewigen Müllschuld im kollektiven Gedächtnis.

    November 7, 2010 um 11:18 pm

  3. Im Gegensatz zu vielen Chemikalien, die nicht oder nur schlecht abbaubar sind, verliert der gefürchtete Atommüll (gemeint sind wohl hauptsächlich die hochradioaktiven Stoffe) im Laufe einiger Jahrhunderte seine Gefährlichkeit, da die sehr starken Strahler meist auch kurze Halbwertszeiten haben. In der Oklo- Mine in Gabun haben Menschen (es waren eben auch Franzosen) den „Atommmüll“, eben genau das, was von den Spaltstoffen übrigbleibt, ausgegraben. Im sehr reichen Erz waren natürliche Reaktorzonen entstanden, die aber erst entdeckt wurden, weil das Verhältnis zwischen U 235, das vor Jahrmillionen gespalten worden war, und U 238 nicht stimmte. Später wurden die stabilen Abbauprodukte der Kernspaltungen gefunden. Sie wanderten nur einige Millimeter.
    So wie sich das aus der Schweiz einschätzen lässt, haben Deutschland und Frankreich bereits Atommüll- Religionen. Halb Deutschland demonstriert gegen den Atommüll, während die Franzosen bei einigen Umwelt- Themen den schweizerischen Perfektionismus noch zu überbieten versuchen, ihre tierquälende Viehwirtschaft aber nicht ändern wollen!

    Ob die Atomgegner nur gegen hochaktive Abfälle sind, oder ob sich ihre Opposition auch auf schwach- und mittelaktive Abfälle bezieht, ist nicht bekannt. Aber vielleicht ist ihr Widerstand gegen die Endlagerung (zumindest der hochaktiven Abfälle) gar nicht so dumm, wie viele technikgläubige Menschen annehmen. Es ist immerhin denkbar, dass die hochaktiven Spaltstoffen in Reaktoren der 4. Generation, die bis Mitte des Jahrhunderts eingeführt wird, verwertet werden kann.

    November 9, 2010 um 11:22 pm

  4. Danke Markus, das ist interessant! Ob Jahrhunderte, Jahrtausende, oder Jahrmillion, jedenfalls unrealistisch für mein Dafürhalten. Besonders weil es so viele andere Möglichkeiten gäbe.
    Dennoch, ich bleibe dabei, sichtbar lagern!

    November 9, 2010 um 11:49 pm

  5. floeffect

    Mein musikalischer Beitrag zu diesem Thema:

    Dezember 16, 2010 um 11:27 am

  6. Danke für Deinen Beitrag!
    Es erinnert mich an ’86, da sind wir mitten im fallout, Keine akute Gefahr sprühen gegangen.
    Wir leben immer noch!

    Dezember 16, 2010 um 11:37 am

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s