Irritation und Verwirrung

In Deutschland ist nicht nur die Würde des Menschen unantastbar

Unantastbar

ist in Deutschland nicht nur die Würde des Menschen. Ebenfalls untastbar sind dem Anschein nach auch die Zustände unter der NS-Diktatur. Jeglicher Vergleich mit dem Frevel der Nationalsozialisten ist ein Sakrileg. Wer hier nicht ins politische und gesellschaftliche Abseits geraten will, der wird sich davor hüten Ereignisse zu jener Zeit und Begebenheiten von Heute gegenüber zu stellen. Jüngstes Beispiel dafür sind die Äußerungen der Moderatorin Eva Herman.

Nachdem sie die Mutterrolle im Nationalsozialismus mit der aktuellen Stellung der Frau verglich, folgte der Rauswurf beim Norddeutschen Rundfunk. Auch die ehemalige Bundesministerin der Justiz, Herta Däubler-Gmelin, bekam deutlich zu spüren, was es heißt, Ablenkungsstrategien Adolf Hitlers auf das Verhalten von George Bush zu projizieren.

Das Produzieren von Parallelen relativiert das Ausmaß der NS-Verbrechen lautet der Tenor dieser Attitüde. Aber wie bei den meisten Angelegenheiten gibt es auch hier Ausnahmen. Während der Vergleich Hitler-Bush auf blankes Entsetzen stößt und mit aller Konsequenz verfolgt wird, wird dem Vergleich Hitler-Ahmedinejad von Michel Friedman Enthusiasmus entgegengebracht.

Hier liegt der Verdacht nahe, dass dieser Vergleich erst dann annehmbar ist, wenn es Personen oder Phänomene betrifft, die sich scheinbar einem anderen Kulturkreis zuordnen lassen. Besonders in Mode gekommen ist das Gleichsetzen von Islam und Faschismus. Anscheinend wird gerne verdrängt, dass der „Führer“ ein Teil der westlichen Kulturgeschichte, also Teil der „zivilisierten Welt“ ist.

Schließlich begann seine Kariere bzw. sein Durchbruch in der Weimarer-Republik durch Volksentscheid – in einer Republik also, die demokratischer war als der Verfassungsschutz heute erlaubt. Das dritte Reich war ein säkularer und kapitalistischer Staat und damit ein Resultat der europäischen Aufklärung. Warum hier nur Vergleiche außerhalb des eigenen Kulturkreises zulässig sind, ist ein Buch mit sieben Siegeln.

Gerne wird auch bei Seite geschoben, wie groß die Affinität der Siegermächte und der Nazis war. Die Prämisse, das Privileg zu genießen, andere Kontinente zu okkupieren und zu kolonialisieren, verdeutlicht die faschistischen Ziele beider Parteien. Das Vereinigte Königreich beispielsweise beherrschte ein Gebiet von über 37 Millionen Kilometern. Das entspricht in etwa 25% der von Land bedeckten Erdoberfläche mit einer Bevölkerung von 500 Millionen Menschen.

Auch Frankreich stand in seiner Kolonialpolitik dem „British Empire“ in nichts nach. Anfangs nur in Nordamerika aktiv, entwickelte sich die „Grande Nation“ durch ihr Engagement in Afrika und Asien zur zweitgrößten Kolonialmacht. Selbst das verhältnismäßig kleine Holland avancierte im 19. Jahrhundert zur drittgrößten Kraft im kolonialen Wettbewerb. Dagegen fiel der deutsche Kolonialismus eher bescheiden aus.

Auch den Kodex von der Rassenhygiene hatten die Nationalsozialisten nicht allein gepachtet. Rassenlehre und Apartheid hatten auch in den USA Hochkonjunktur. Eine ganze Liste an Eugenikgesetzen wurde erlassen. 1896 wurde im Bundesstaat Connecticut, USA, ein Gesetz ratifiziert, das „Epileptikern, Schwachsinnigen und Geistesschwachen“ die Heirat verbot.

Später wurde dieses Verbot mit Zwangssterilisationen verbunden. Schätzungen zufolge sind in den USA über 100.000 Menschen im Rahmen dieses Programms sterilisiert worden. Dabei handelte es sich nicht immer um einen offenen Zwang, häufig wurden die Menschen im Unklaren über die Folgen des Eingriffs gelassen.

1903 beschloss die American Breeders Association (Vereinigung der amerikanischen Rinderzüchter, seit 1914 American Genetic Association), einen Ausschuss einzurichten, das so genannte Eugenik-Komitee. Dieses Komitee kam zu dem Schluss, dass mindestens 10 Millionen Menschen, rund 10% der damaligen Bevölkerung der USA, an der Fortpflanzung gehindert werden sollten.

1907 wurde das erste Gesetz, das die Zwangssterilisation aus eugenischen Gründen erlaubte, in Indiana erlassen. Weitere 32 US-Bundesstaaten folgten mit ähnlichen Gesetzen. Insgesamt waren rund 60.000 Menschen in den USA von diesem Vorgehen betroffen. Als besonders sterilisationsfreudig erwies sich der Staat Kalifornien; schon damals ein Zentrum der US-Forschung und privaten Forschungsförderung.

1920 veröffentlichen Karl Binding und Alfred Hoche den Bestseller „Die Freigabe der Vernichtung unwerten Lebens“. Die von Karl Binding aufgeworfene Frage, ob Menschen ihren Wert verlieren könnten, bejaht Alfred Hoche. „Unheilbarer Blödsinn“ stehe im Vordergrund seines Interesses als Psychiater. Im Mittelpunkt seiner Untersuchung stand die wirtschaftliche und moralische „Belastung“ kranker Menschen.

1921 fand der zweite internationale Eugenik-Kongress unter der Schirmherrschaft des American Museum of Natural History in New York statt. Honorarpräsident war Alexander Graham Bell (Erfinder des Telefons), der auch mit den Organisatoren das Ziel verfolgte, Gesetze zur Verhinderung der Ausweitung von „defekten Rassen“ einzuführen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Einreisebestimmungen in die USA dermaßen verschärft, dass dieser „Immigration Act“ verhinderte, dass vor den Nazis flüchtende Juden in den USA Einlass finden konnten. Der Eugenikerbund Eugenics Record Office (ERO) hatte zahlreiche Mitglieder.

Viele von ihnen waren in Deutschland bekannt und hoch geachtet, wie z. B. der Leiter Harry Laughlin, der in Deutschland Ehrendoktor wurde. Der wohl bekannteste Eugeniker war Lothrop Stoddard, der Adolf Hitler sogar persönlich kennen gelernt hatte und dessen Rassenwahn unterstützte. Ein weiterer einflussreicher Eugeniker war Charles Davenport.

Faschistische und rassistische Züge sind mehr als nur Begleiterscheinungen des Kapitalismus. Vielmehr ist das Unterwerfen und Ausbeuten anderer Völker ein elementarer Bestandteil der Plutokratie (Deutsch-Leistungskurs, Anm. d. Red.) und von so dominanter Ausprägung, dass es sogar symptomatisch für den japanischen Trittbrett-Kapitalismus war. Das Land der aufgehenden Sonne sprang auf den Kolonialzug auf und hielt nach westlichem Vorbild große Teile Ostasiens besetzt.

Japans und Deutschlands Streben nach der Weltherrschaft fand schließlich durch den zweiten Weltkrieg ein jähes Ende. Die alliierten Kräfte dagegen setzen ihre Hegemonialpolitk fort. Die Vereinigten Staaten von Amerika wuchsen zur ersten Supermacht heran, England und Frankreich drückten dem Kolonialismus noch mal ihren Stempel auf. Speziell die Grausamkeit der Franzosen in Algerien kostete Millionen Unschuldiger das Leben.

Heute sind es vor allem die USA, die im Nahen- und Mittleren-Osten Länder militärisch besetzen, hunderttausende ermorden, Rohstoffe plündern, um Platz für ihre Kultur zu schaffen. Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen dem Streben nach Weltherrschaft der Nazis und dem der USA? Wodurch unterscheidet sich der Genozid der französischen Armee in Nordafrika vom Massenmord der SS in Osteuropa? Warum ist bei den Siegermächten richtig, was bei den Nationalsozialisten falsch war? Warum bei so vielen Analogien der Vergleich absolut unerwünscht ist, liegt auf der Hand.

Das Tabuisieren der Parallelen zwischen „Damals“ und „Heute“ ist in Wahrheit nicht allein mit dem viel zitierten Relativierungseffekt der NS-Diktatur zu erklären. Die Verbannung und das Verbieten jeglicher Vergleiche ist in Wirklichkeit eine gut durchdachte Verschleierungsstrategie der westlichen Welt. Denn das Legitimieren der Gegenüberstellungen von Personen und Phänomen aus jener Zeit würde nämlich unweigerlich zu dem Eingeständnis führen, dass das nationalsozialistische Monstrum eine Erscheinungsform und Variante des Kapitalismus ist.

Das Denunzieren jeder Analogie stellt im Grunde einen Verrat an der europäischen Aufklärung dar. Denn eine authentische Aufarbeitung der Nazivergangenheit ist unter solchen Umständen eine Illusion. Die diffamierende Reflexion des Nationalsozialismus auf die islamische Welt dagegen hat Methode. Für die Schaffung des perfekten Feindbilds fallen plötzlich alle Tabus.

Der neue Hitler trägt Vollbart und einen Turban, die aktuelle Waffen-SS treibt ihr Unwesen in den Gebirgskämmen Afghanistans und unerkennbar unter ihrem Schleier verbirgt sich die reinkarnierte Eva Braun.

Diese Art der Verunglimpfung – speziell in den Medien – nimmt in den letzten Jahren dramatische Ausmaße an. Alle moralischen Schranken sind inzwischen gefallen.

An dieser Art und Weise Politik zu machen zeigt sich wieder die Seelenverwandtschaft der Nazis mit der westlichen Welt. Erinnern nicht gerade die Mohamed-Karikaturen erschreckend an das antisemitische Hetzblatt Julius Streichers, das unter dem Namen „Der Stürmer“ berühmt wurde? Nur damals war’s Goldstein oder Levi,…und heute ist es Ali?!

Das sich ausgerechnet der Zentralrat der Juden an der antiislamischen Hetze beteiligt und sie forciert ist eine Schande. Dabei sollten doch gerade die Juden wissen, dass Antisemitismus und Pogrome ein Kapitel europäischer Kulturgeschichte sind. (Anm. d. Red.: abgesehen von Armenien -) Oder suchen Friedman & Co in Kairo, Istanbul und in Teheran nach Konzentrationslager!?

Vielleicht sollten sie mal ihren Blick auf Guantánamo Bay richten, sicher werden sie dort mehr Erfolg haben. Der Zentralrat wäre besser damit beraten nach den wahren Ursachen des Holocaust zu suchen, anstatt sich mit Denkmälern und Geldern abspeisen zu lassen. Nur so lässt sich wirklich vermeiden, dass sich IHRE Geschichte wiederholt. Denn eine andere Geschichte bahnt sich bereits an.

Tarkan Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow für DJDEUTSCHLAND

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