Irritation und Verwirrung

Die verlorene Ehre der Eva Blum

Das Buch ‚Das Eva Prinzip‘ Für Eine Neue Weiblichkeit, hatte ich mir damals nur gekauft, weil die Reaktionen darauf in der Presse und im Besonderen bei Frauen so heftig waren. Da mußte jemand in’s Schwarze getroffen haben. Allein schon der Kauf in Begleitung meines Kollegen ‚Tarkan‘ (Deutsch Leistungskurs) hatte Züge eines Spießrutenlaufs, wir wurden belächelt und bewundert zugleich. Es war ein Hochgenuss.Der türkischstämmige Tarkan lobte meinen Mut und zeigte sich von meiner Kaufentscheidung beeindruckt.

Die Frauen in meinem Umfeld begrüßte ich von nun an mit: „Hast Du schon das Buch von Eva Herman gelesen!?“ Mir schlug ein unglaublicher Hass entgegen, als hätte ich eine frauenfeindliche, ja sogar antisemitische Äußerung gemacht. Ich beschloss das Buch doch zu lesen. Und stellte fest, daß so gut wie nichts von dem, über das sich die Klassefrauen so aufregten, in diesem Buch stand. Äußerungen zur vaterlosen Gesellschaft, der feminisierten Erziehung und der damit verbundenen Problematik in der Entwicklung von Jungen überzeugten mich sogar. Von nun an gehörte es zu einer meiner Lieblingsdisziplinen, mit dem ‚Eva Prinzip‘ an Frauen heranzutreten.

Dann plötzlich, alle Presseberichte einhellig: Eva Herman lobt die Familienpolitik des Nationalsozialismus!Das konnte nicht sein! Ich war mittlerweile Experte. Gerade im Kapitel Vier, ‚Die bindungslose Gesellschaft-warum wir unseren Halt verlieren‘, schreibt sie etwas völlig Gegenteiliges. Sie verurteilt die nationalsozialistische Familienpolitik.

Zitat: „Was viele nicht wissen: Unsere distanzierte Haltung zu unseren Kindern steht auch in einem direkten Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem dritten Reich. […] Es ging nicht nur darum, ‚dem Führer Kinder zu schenken‘, sondern die Kinder so früh wie möglich nach den Maßgaben des nationalsozialistischen Menschenbilds zu formen. […, es] wird schnell klar, dass der Hitler-Staat alles daransetzte, jeden gesellschaftlichen Bereich zu kontrollieren und jede private Nische zu vernichten, in der sich individuelle Lebensformen entwickeln konnten.“ Zitat Ende

Am Beispiel der Münchner Ärztin Johanna Haarer, einer Nationalsozialistin und Autorin „schauriger Erziehungsbücher“ beschreibt sie das Problem: „die emotionale Bindung der Eltern an ihre Kinder“.

Die neusten Angriffe beziehen sich auf Äußerungen, die Herman während der Präsentation ihres neuen Buches ‚Das Prinzip Arche Noah‘ gemacht hatte. Wer diese mp3-Datei 2007-09-20_pk_berlin_eva_herman.mp3 in ganzer Länge hört und mit dem in der Presse veröffentlichten Teil vergleicht, dem wird diese perfide und feinste Medienmanipulation ja Desinformation bewusst. Hier hat jemand professionell und wissentlich in krimineller Weise an genau der richtigen Stelle zum Schnitt angesetzt. Die Aussage Hermans wurde ins Gegenteil verkehrt!

Dann der Scoop; das Tribunal! Eva Herman bei JBK um 22:45 im öffentlich rechtlichen ZDF! Als weitere Gäste: Senta Berger, eine meiner sexuellen Jungen-Fantasien vergangener Tage, Margarethe Schreinemakers, auch eine Fantasie vergangener Tage. Der Historiker Wolfgang Wippermann von der Berliner Universität der Künste, im Publikum. Außerdem eine lächerliche, männliche Schießbudenfigur die im Laufe der Sendung meiner Erinnerung nach nichts gesagt hat.Diese Sendung, das wurde auch mir erst am nächsten Tag klar. war nicht live, sie war nachmittags aufgezeichnet worden! Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung waren die Schlagzeilen „Kerner schmeißt Eva Herman aus dem Studio“ längst im Druck.Den Mut, den diese sichtbar verletzte, sensible, empathische Eva Herman aufbrachte, sich in diese Sendung zu stellen, den wahren Kern ihrer Aussage zu klären, machte sie mir zum ersten Mal ähnlich sympathisch wie den seinerzeit auf Eier werfende Demonstranten losgehenden Helmut Kohl.Kerners Versuche, während der Sendung an Hand von Nazi Zitaten unter Ausnutzung des Historikers Wippermann aus seiner Kollegin einen Widerruf oder eine Entschuldigung herauszupressen, sie zu verunglimpfen, hätten einem Filbinger alle Ehre gemacht.„Gleichgeschaltete Presse“ – laut Tarkan, der selbst einmal aus einer Unterrichtsstunde (Deutsch Leistungskurs) gewiesen wurde weil er als „Türkenjunge“ eine bestimmte Strophe des Deutschlandliedes gesungen hatte, ein Bergriff aus der Elektrik – in diesem Moment für mich mit Gutfried Kerners widerwärtigen Schauspiel fleischgeworden. Hintereinander geschaltete Glühbirnen.Kerner onanierte geradezu, flankiert von den geladenen Mitläufern. Wissend, dass Kommentare geschrieben, die Meinungen gemacht und die Einschaltquoten gesichert sind.

Erinnerungen an den Abgeordneten Hohman, dessen historische Vergleiche ihn in ähnliche Gefahr brachten, werden wach. Die Affaire Hohman wurde mittlerweile gerichtlich geklärt. Seine Existenz vernichtet. Bekam er am Ende doch Recht mit seiner Aussage:

„Die Gottlosen sind das Tätervolk“.

DJDEUTSCHLAND

11 Antworten

  1. Stanislaw jefgrafowitsch Petrow

    ach ja, jetzt erwischt es auch Harald und den Pocher
    http://www.quotenmeter.de/index.php?newsid=23375

    Oktober 17, 2007 um 6:01 pm

  2. Monade

    Für mich sind die Diskussionen um Eva Herman überflüssig. Ich habe sie ein paar mal in Talk Shows gesehen (hier übrigens 2 Links zu Sendungen bei Kerner: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/335636?inPopup=true
    und http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/Hitzige_Diskussion_Eva_Herman_bei_JBK/18810?inPopup=true)
    ihre Bücher aber nicht gelesen (was ich auch nicht vorhabe).
    Ihre Ansicht ist eben eine Ansicht, eine Meinung und die soll man meines Erachtens grundsätzlich sagen dürfen. Ich denke die Thesen sind vor allem für Frauen, die ihr Dasein als Mutter und Hausfrau definieren, interessant, da dort ihr Wert angemahnt wird, was völlig in Ordnung ist.
    Grundsätzlich bin ich aber für freie Entscheidungen in jeder Hinsicht und gehe nicht davon aus, dass alle Frauen, die arbeiten, es als einen Zwang ansehen. Es mag solche geben, genauso wie es auch Männer gibt, die Arbeit als Zwang auffassen.
    Grundsätzlich aber, ist sie meines Erachtens in ihrer Wortwahl nicht reflektiert, weswegen sie natürlich angreifbar wurde. Zum Beispiel bringt sie in Zusammenhang, dass aus 30 (?) Jahren Emanzipation, die heutige niedrige Geburtenrate resultiert. Das ist natürlich sehr einfach, monokausal, gedacht, und hält einer Prüfung als „These“ überhaupt nicht stand. Das ist ein polemisches Postulat.
    Mein Fazit: solche Thesen lieber am Stammtisch oder meinetwegen in einem Verein zur Förderung von Familien anbringen aber nicht auf die Öffentlichkeit damit losgehen, denn in ihrer Banalität beleidigen sie durchaus zig Jahre Forschung und Handeln in Sachen Aufklärung und Emanzipation. Oder aber: fundiert Schreiben und Begriffe wie These nicht missbrauchen.

    Monade

    Oktober 17, 2007 um 6:42 pm

  3. Liebste Monade!

    Danke für Deinen Kommentar und Deine Verweise!
    Aber Vorsicht, auch Du hast die Aussagen der Herman meiner Meinung nach nicht richtig verstanden!
    Bitte verstehe mich nicht falsch, für mich bist Du eine der klügsten Frauen, die ich kenne.
    Ich bin auch kein Eva Herman Fan! Mich hat nach dem Lesen des Buches nur extrem verwundert, wieviele sich durch die Berichterstattung der Medien eine völlig verquere Meinung dazu gemacht haben. Zu einem Buch, das keiner gelesen hat, über das aber alle berichten. „Klassefrauen“, wie z. B. Thea Dorn, mit ihrem „Eva Braun“ und „Kinder, Küche, Kirche“. Wie emotional und geradezu gehässig viele Frauen derzeit darüber diskutieren und berichten, amüsiert mich auf das Feinste und macht jedenfalls klar, daß ein sehr wunder Punkt getroffen wurde.
    Ich muss Dir widersprechen, daß ein Thema, das sich mit dem messbar gestörten Verhältnis zu Kindern, ja zu uns selbst in der Gesellschaft, ein Thema für den „Stammtisch“ ist.

    Hochachtungsvoll
    DJDEUTSCHLAND

    Oktober 18, 2007 um 10:31 am

  4. Monade

    Lieber DjDeutschland,

    zunächst besten Dank für das Kompliment, denn davon kann man/frau nie genug bekommen ;-)

    Eigentlich bin ich etwas unsicher bei diesem Thema, da ich ja ihre Bücher nicht kenne, sie mich aber auch nicht interessieren. Ich bin ein Individualist und erwarte mir von einem Buch mit dem Titel „Das Eva-Prinzip“ nicht viel.
    So wie ich Eva Herman wahrgenommen habe in ihren Talkshows, sehe ich, dass sie ein Anliegen hat und denke dazu, dass ihre Themen – um mal kurz alltagspsychologisch zu werden – am allermeisten mit ihr selbst zu tun haben: Das Mutterglück und ihr Bedürfnis alle Frauen daran teil haben zu lassen. Ich spekuliere weiter: vielleicht hatte sie sich geärgert, dass sie nicht schon früher auf die Idee gekommen ist, Kinder zu bekommen und möchte Frauen, die vielleicht wie sie selbst erst einmal Karierre machen wollen, darüber aufklären, dass Kinder das eigentlich (in ihren Augen) schönste Glück sind.
    Wie ich schon sagte, ich finde das völlig in Ordnung, die Welt so zu sehen und fühle mich als Nicht-Mutter und selbständige Frau in keinster Weise angegriffen.

    Wogegen ich was habe ist, dass sie ihre Gedanken in Form von Thesen und Prinzipien ausbreitet, die qua definitione einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben. Das kann sie leider aber gar nicht belegen oder schlüssig argumentieren. Es ist einfach nur ihre Sicht der Dinge und m.E. vom Anspruch her zu hoch gegriffen. Das sieht man wiederum in Talkshows, wo sie leider nicht fähig ist außer Behauptungen schlüssig zu argumentieren.

    Gleichzeitig mag das gut sein, dass die Medien, die sich für nichts zu schade sind, dieses Thema so lange wie möglich ausschlachten und dafür sensationalisieren wollen. Dann muss man sich nämlich erst ein mal keine Gedanken mehr darüber machen, was man denn bloß am nächsten Tag drucken soll. Über die Einzelheiten ihrer Entlassung bei ARD bin ich nicht informiert, würde aber an sich erwarten, dass so ein Sender sich ein paar Gedanken macht, bevor er zu einem solchen Schritt greift. Oder?

    Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass dich die Diskussion amüsiert! Denn eine gewisse Empörung über ihr Buch war ja deutlich zu spüren. Mich würde nun interessieren: was fandest Du denn besonders gut daraus – vielleicht ein paar Zitate?

    schönste Grüße,
    Monade

    Oktober 22, 2007 um 4:09 pm

  5. Verehrte Monade!

    Besonders gut an dem Buch finde ich neben der Aufruhr bei den Frauen, daß es politisch ist.
    Eva Herman thematisiert ja, daß das nationalsozialistsche Frauenbild und die ablehnende Haltung der Achtundsechziger Generation diesem gegenüber, unsere distanzierte Haltung zu unseren Kindern, also zum Kinderkriegen, verursacht hat.
    Nochmal: „[…, es] wird schnell klar, dass der Hitler-Staat alles daransetzte, jeden gesellschaftlichen Bereich zu kontrollieren und jede private Nische zu vernichten, in der sich individuelle Lebensformen entwickeln konnten.” Zitat Ende
    Eva Herman ist eben nicht, wie von den Klassefrauen behauptet für: „Für Frauen zurück an den Herd.“ Sondern sie kritisiert die ideologische Ausrichtung der Familienpolitik in diesem Land!
    Das heutige Frauenbild im westlichen Teil der Welt, in dem sich eine Frau angeblich nur individuell entfalten kann, wenn sie (erfolgreich) einem Beruf nachgeht: Unabhängig, sexy, schön, gebildet, sich gut ernährend, gesund lebend, den Herausforderungen des modernen Lebens stellend. Konsumierend! (Alles andere als individuell.)
    Das alles resultiert aus dreißig Jahren Emanzipation, die sich natürlich nur auf den Zeitraum nach Achtundsechzig bezieht und deren Vertreter bis heute in Talk-Shows sitzend, eine Hormonpille als die Befreiung ihrer Sexualität feiern und sich damit selbst nur attestieren, daß sie immer noch keine Ahnung davon haben, wie ihre Körper funktionieren.
    Gerade das jetzt beschlossene, neue Unterhaltsrecht (Eigenverantwortung, vgl. emancipare = „e manu capere“, das „aus der Hand Herauslassen“ des Sohnes aus der familiären Abhängigkeit in die zivilrechtliche Eigenverantwortlichkeit des römischen Staates, die „Gleichheit“ immer den Mann als Ausgangspunkt nehmend, zu dem hin Gleichheit zu denken ist.) wird für noch mehr der unabhängigen Frauen mit Kindern bedeuten, daß sie neben der Kindererziehung arbeiten und die Kinder staatlicher Betreuung überlassen müssen.
    Die Erziehungsarbeit von Eltern (alleinerziehend) und das damit verbundene Management des Haushalts findet in dieser Gesellschaft keine entsprechende Würdigung.
    Besonders amüsiert mich aber auch immer wieder das Weit-von-sich-weisen-des-Buch-Eva Herman-lesens, das mir Land auf Land ab begegnet. Na ja, es ist ja bald Weihnachten…

    DJDEUTSCHLAND

    November 11, 2007 um 9:29 pm

  6. Springer-Blätter
    müssen Eva Herman richtig zitieren. http://www.netzeitung.de/medien/1416500.html

    Juli 28, 2009 um 6:18 pm

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