Die Montagskolumne #156 Luftbuchung
Man stelle sich vor, man hätte meinen Vorschlag angenommen, und die Aktien der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) Bad Bank vergesellschaftet und frei handelbar an die Bevölkerung ausgegeben. Da wäre Freude aufgekommen. So kurz vor Weihnachten, das Volk wäre auf die Krise ganz anders angesprungen! Denn nun finden sich plötzlich durch eine Fehlbuchung – hypo real mehr als 55 Milliarden auf dem Konto! 55 000 000 000 : 80 000 000, wären sozialisiert 687.5 Euronen für jeden! Geld is’ ja da. Doch statt zu frohlocken und zu feiern, wirft man sich in Deutschland schlechte Führung vor. Jetzt wäre die Gelegenheit, Kohle unters Volk zu bringen! 80 Millionen Fahrräder zu produzieren – als Aufbauprämie – zur Steigerung von Volksgesundheit und Binnenkonjunktur! Die Gesellschaft könnte sogar Nokia oder Saab kaufen, oder eine dezentrale Energiewende. Uns würde Buttermilch aus den Poren fließen. Man könnte fünfe gerade, mehr Netto zum Brutto, eine Feier machen und alle Kassen klingeln lassen! Gedanken sind Materie. Luftschlösser müssen gebucht werden, bevor sie gebaut werden können. Warum hört bloß keiner auf mich?
Juliane Vogel formaly known as Maja Kruse
Occupy
Habe heute @OccupyHamburg auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz beguckt und wurde von den beiden einfühlsamen Journalisten Ilona und Marek von: ‘Für eine bessere Welt’ interviewt. Sie sind am Ende ihrer Tour durch die Occupy-Camp-Szene Deutschlands und arbeiten an einem Film über die Bewegung. @FebW_Tweets. Sehr schön zu sehen, daß man im Camp weder links/rechts drehende Forderung ergreift, noch gefestigte Vorstellungen hat. Man befindet sich in einem Prozess der Bewusstwerdung und Meinungsfindung und schärft sein Bewußtsein besonders beim MedMob. Plenum jeden Tag um 19:30. Mach doch mit, die Unterstützung ist groß.
Lewwer duad üs Slaav!
Der Amtmann von Tondern, Henning Pogwisch,
schlägt mit der Faust auf den Eichentisch:
»Heut fahr’ ich selbst hinüber nach Sylt
und hol’ mir mit eigner Hand Zins und Gült.
Und kann ich die Abgaben der Fischer nicht fassen,
sollen sie Nasen und Ohren lassen,
und ich höhn’ ihrem Wort:
Lewwer duad üs Slaav.«
Im Schiff vorn der Ritter, panzerbewehrt,
stützt finster sich auf sein langes Schwert.
Hinter ihm, von der hohen Geistlichkeit,
steht Jürgen, der Priester, beflissen, bereit.
Er reibt sich die Hände, er bückt den Nacken.
»Die Obrigkeit helf’ ich die Frevler zu packen,
in den Pfuhl das Wort:
Lewwer duad üs Slaav.«
Gen Hörnum hat die Prunkbarke den Schnabel gewetzt,
ihr folgen die Ewer, kriegsvolkbesetzt.
Und es knirschen die Kiele auf den Sand,
und der Ritter, der Priester springen ans Land,
und waffenrasselnd hinter den beiden
entreißen die Söldner die Klingen den Scheiden.
Nun gilt es, Friesen:
Lewwer duad üs Slaav!
Die Knechte umzingeln das erste Haus,
Pidder Lüng schaut verwundert zum Fenster heraus.
Der Ritter, der Priester treten allein
über die ärmliche Schwelle hinein.
Des langen Peters starkzählige Sippe
sitzt grad an der kargen Mittagskrippe.
Jetzt zeige dich, Pidder:
Lewwer duad üs Slaav!
Der Ritter verneigt sich mit hämischem Hohn,
der Priester will anheben seinen Sermon.
Der Ritter nimmt spöttisch den Helm vom Haupt
und verbeugt sich noch einmal: »Ihr erlaubt,
daß wir Euch stören bei Euerm Essen,
bringt hurtig den Zehnten, den ihr vergessen,
und Euer Spruch ist ein Dreck:
Lewwer duad üs Slaav!«
Da reckt sich Pidder, steht wie ein Baum:
»Henning Pogwisch, halt deine Reden im Zaum!
Wir waren der Steuern von jeher frei,
und ob du sie wünscht, ist uns einerlei!
Zieh ab mit deinen Hungergesellen!
Hörst du meine Hunde bellen?
Und das Wort bleibt stehn:
Lewwer duad üs Slaav!«
»Bettelpack,« fährt ihn der Amtmann an,
und die Stirnader schwillt dem geschienten Mann,
»du frißt deinen Grünkohl nicht eher auf,
als bis dein Geld hier liegt zu Hauf.«
Der Priester zischelt von Trotzkopf und Bücken
und verkriecht sich hinter des Eisernen Rücken.
O Wort, geh nicht unter:
Lewwer duad üs Slaav!
Pidder Lüng starrt wie wirrsinnig den Amtmann an,
immer heftiger in Wut gerät der Tyrann,
und er speit in den dampfenden Kohl hinein:
»Nun geh an deinen Trog, du Schwein!«
Und er will, um die peinliche Stunde zu enden,
zu seinen Leuten nach draußen sich wenden.
Dumpf dröhnt’s von drinnen:
»Lewwer duad üs Slaav!«
Einen einzigen Sprung hat Pidder getan,
er schleppt an den Napf den Amtmann heran
und taucht ihm den Kopf ein und läßt ihn nicht frei,
bis der Ritter erstickt ist im glühheißen Brei.
Die Fäuste dann lassend vom furchtbaren Gittern,
brüllt er, die Türen und Wände zittern,
das stolzeste Wort:
»Lewwer duad üs Slaav!«
Der Priester liegt ohnmächtig ihm am Fuß,
die Häscher stürmen mit höllischem Gruß,
durchbohren den Fischer und zerren ihn fort;
in den Dünen, im Dorf rasen Messer und Mord.
Pidder Lüng doch, ehe sie ganz ihn verderben,
ruft noch einmal im Leben, im Sterben
sein Herrenwort:
»Lewwer duad üs Slaav!«
Detlev Freiherr von Liliencron
Aufruf zu internationalen gewaltlosen Protesten am 15. Oktober 2011 Ein Ruf aus Spanien
Am 15. Oktober
werden wir Bürgerinnen und Bürger der ganzen Welt auf die Strasse gehen, um unsere Empörung über den Verlust unserer Rechte zu zeigen – Rechte, die uns durch ein Bündnis zwischen grossen Unternehmen und der politischen Klasse entzogen werden. Wir von der Bewegung «Democracia Real Ya!» laden euch ein, an dieser friedlichen internationalen Protestaktion teilzunehmen, indem ihr euch unserem Aufruf anschliesst oder indem ihr eure eigenen Aufrufe für dieses Datum verbreitet.
Es ist der Augenblick gekommen, die Stimme zu erheben. Unsere Zukunft steht auf dem Spiel, und niemand kann der Kraft von Millionen von Menschen trotzen, wenn sie sich in gemeinsamer Absicht vereinen.
«Democracia Real Ya!» ist eine spanische Koordinationsplattform von unterschiedlichen Gruppen zur Mobilisierung von Bürgerinnen und Bürgern. Unter der Devise «Wir sind keine Marionetten in den Händen von Politikern und Banquiers» gingen wir am 15. Mai zu Tausenden auf die Strasse, um mehr demokratische Teilhabe zu fordern, uns gegen die Korruption des politischen Systems aufzulehnen und unseren Einspruch gegen die Kürzungen im Sozialbereich zu bekunden. Nach dem Erfolg dieser ersten Kundgebung entstanden unterschiedliche Bewegungen, und auf vielen Plätzen des ganzen Landes wurden Zeltlager aufgebaut, ganz ähnlich der ersten Besetzung des Tahrir-Platzes in Kairo.
Dort wurden Volksversammlungen durchgeführt, wo die BürgerInnen ihre Ziele in einem horizontalen, alle Anwesenden einschliessenden Entscheidungsprozess entwickelten. Die Bewegung 15M strahlte bald über die Landesgrenzen hinaus und ermutigte in vielen Städten der Welt zu Aktionen, darunter am vergangenen 19. Juni zu einer koordinierten Massenkundgebung gegen den Euro-Pakt.
Unter dem Druck der Finanzherrschaft arbeiten unsere Regierenden zugunsten ein paar weniger, ohne sich um die sozialen, menschlichen und ökologischen Kosten zu kümmern, die dadurch entstehen können. Die herrschenden Klassen rauben uns das Recht auf eine freie und gerechte Gesellschaft, indem sie Kriege mit wirtschaftlichen Zielen führen und ganze Völker ins Elend stürzen.
Deshalb laden wir euch ein, euch diesem gewaltlosen Kampf anzuschliessen, indem ihr die Botschaft verbreitet, dass wir gemeinsam diese unannehmbare Situation ändern können. Nehmen wir uns die Strasse am 15. Oktober! Es ist Zeit, dass sie uns zuhören. Gemeinsam werden wir unsere Stimmen erheben
Der Protestaufruf wurde bereits am 11. August auf dem Blog von Walter Beutler veröffentlicht und steht zur freien Vervielfältigung zur Verfügung
Facebookevent für den 15. Oktober in Berlin (bitte verbreiten)
Zur Vertiefung:
- 15. Oktober – Call for Action, oder: Was ist die Bewegung?
Der Wagen rollt
Der Markt ist nicht frei, er war es nie!
Noch versuchen die rigiden Deutschen mit ihrem Dogmatismus, jede Art von Übermut und Kreativität platt zu machen. Doch wählt man kuschelrot, wacht man schwarz auf; besinnt man sich auf grün, wird man verraten; mehr Netto vom Brutto, löst sich gerade auf; links wie rechts. Sind es unsere Wurzeln, die uns immer einen Schuldigen suchen lassen, den man ans Kreuz nageln kann? (Eine Provokation!) Ausgerechnet Claus Kleber stellt im ZDF heute journal die brillante Frage: „Wer ist denn überhaupt der Markt?“ Und seine Antwort ist ebenso brillant: „Wir!“
Wir sind Markt. Wir sind Kapitalismus. Wir sind die, die zu viel verbrauchen, die ausbeuten und alles kaputt machen. Wir sind die, die sich ändern müssen! Bei Onkel Sam, unser aller Vorreiter, macht sich der Unmut schon länger breit, länger als Claus Kleber es zugeben und zeigen will. Den Bombenlegern geht nicht nur das Geld aus, auch jedwede Glaubwürdigkeit im eigenen Volk ist längst verspielt. Wie wird ‘Sam’ sich diesmal herausreden? Es sind freie Amerikaner, die die Wallstreet besetzen, es sind keine Terroristen! Ihre Forderungen unterscheiden sich nicht von denen des Tahrir-Platzes, oder denen in Spanien. Democracia real Ya, echte Demokratie jetzt!
Djdeutschland
Pen Pal Byron Sonne

Seit einigen Monaten habe ich einen neuen Brieffreund. Der alte Freund OK hat dafür hoffentlich Verständnis, immerhin wäre ich ohne die jahrelange Übung mit ihm nicht so beharrlich und die Korrespondenz längst eingeschlafen. Mein Neuer stammt aus Bramton in Kanada und heißt Byron Sonne. Die erste Postkarte aus St.Pauli schickte ich ihm noch ins Gefängnis, und zugegeben fand ich das auch aufregend, weil er mich damit an de Sade oder Alexander Solschenizyn erinnerte.
Aber tatsächlich wollte ich mich solidarisch zeigen und Byrons Widerstand unterstützen. Die kanadische Polizei hatte ihn letztes Jahr vor dem G20-Gipfel in Toronto verhaftete, weil er unter anderem Sicherheitslücken in dem knapp 10 Millionen Dollar teuren Zaun und in der Video-Überwachung aufdecken konnte. Dabei ist Byron wohl eher ein Sicherheitsexperte als ein G20-Gegner und seine Verhaftung scheint mir lediglich von den Unzulänglichkeiten ablenken zu wollen, mit denen man allerorts unsere Steuergelder vernichtet. Gerne auch für die Belange einiger Topverbrecher an der Menschheit, wie sie sich beim G20-Gipfel versammeln…
Nun gut, Byron lebt inzwischen wieder zuhause, seine Post wird wahrscheinlich nicht mehr Zensur gelesen, aber er darf noch immer keine E-Mails schreiben und freut sich wohl weiterhin über Schnecken-Post. Und wer weiß, vielleicht sitzt er ja schon an einem Buch über diese verrückte Zeit.
Wenn ihr Byron bei seinem anstehenden Prozess unterstützen wollt, hat er mich in einem etwas unpersönlichen aber sehr netten Brief vom 7. September gebeten, euch auf das PayPal-Spenden-Konto hinzuweisen, was ich hiermit gerne getan habe.
Dann letzte Woche, bekam ich einen etwas intimeren Brief mit vielen Fotos, unter anderem von seiner Schwägerin, einem Eichhörnchen oder seinen Eltern und einem Satz, der mich zum Lachen brachte: „On a more positive note, most of family and friends now have babies or are pregnant! It’s pretty crazy, like a truck full of babies exploded and everyone grabbed one:) I very much look forward to being a father someday…“
Nun bin ich wieder dran…also my dear Byron, wenn du das hier liest, weil du auch ein bißchen Deutsch kannst, dann ist alles gut gelaufen für Dich. Wir denken an Dich und wünschen Dir für den Prozess alles Gute. Bis bald…
Kuno Sternhagen *20. 09. 52; †02. 10. 2011
Kuno Sternhagen
unser Freund und Nachbar, hat am vergangenen Sonntag diesen Planeten für immer verlassen. Die, die ihn kannten wußten, daß er schon seit den frühen Neunzigern immer das Jahr 2011 für seinen Exit vorausgesehen hatte. Kuno prägte schon früh das Gesicht der Hafenstraße, seine Bauten sind legendär.
Er war eine Diva, machte bemerkenswerte Musik und war immer integer. Manchmal schwierig, konnte man ihn immer mit Süßigkeiten besänftigen. Danke für die gute Zeit und gute Reise, wir werden Dich nie vergessen!
>>>Trans Samadhi
Eines schickt sich nicht für alle
>>> Die Beerdigung findet am Donnerstag den 13.10 um 15.30 auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Kappelle 11, statt. Danach treffen wir uns im Ahoi.















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